Große Spannweite
«Beaucoup de douceur et de sensibilité» verlangt Jean-Baptiste Lemoyne von Theseus’ unglücklichem Sohn Hippolyte bei dessen Abschied von den Jagdgefährten. Der blindwütige Vater schickt ihn ins sichere Verderben. Ein großes elegisches Chor-Tableau hält in der sich anbahnenden Katastrophe die Zeit an.
Der weite Spielraum des Ausdrucks der Leidenschaften, die Balance zwischen forcierter Extraversion, lyrischen Momenten und stiller Zurücknahme in subtil ausgeleuchteten (inneren) Monologen unterscheidet Lemoynes auf Racine basierende «Phèdre» von ihren unmittelbaren Konkurrenzwerken im Jahr 1786, Antonio Salieris harsch («römisch») verknappten «Horaces» und Johann Christoph Vogels wie gemeißeltem «Toison d’or» – kein Wunder, da beide Male Corneille das Libretto-Material lieferte. Aber welch eine Konstellation: der aus Venetien stammende Wiener Kapellmeister Salieri; der deutsche Gluck-Enthusiast Vogel aus Nürnberg, der in Paris sein Glück machen will – und der Franzose Lemoyne, den es als 19-Jährigen nach Berlin verschlagen hatte, wo er es bis zum Vizekapellmeister Friedrichs II. brachte. Das ist das Milieu, in dem sehr bald Luigi Cherubini, Étienne-Nicolas Méhul und dann vor allem ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Klaus Heinrich Kohrs
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss angekündigten Musiktheaterpremieren der Monate September/Oktober 2020. Alle Angaben ohne Gewähr! Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theat...
Seine wichtigste Quelle ist die Leere. Die Absenz aller Gedankenschwere. Den Kopf müsse er frei haben, um anfangen zu können. Um empfänglich zu sein für Ideen, Perspektiven, Erfahrungen, die sonst unbemerkt blieben. Für inwendige Energien von Menschen, Dingen, Werken, die sich nicht von selbst erschließen. Für die Essenz jener verborgenen existenziellen Kräfte, die...
Eckhard Henscheid ätzt in «Dummdeutsch», die andauernde Verwendung der Vokabel irgendwie sei «irgendwie eine spezifische geistige Schrumpfleistung der Post-No-Future-Generation». In diesen unseren Krisenzeiten scheint sie indes allgegenwärtig. Und wenn ein prominenter Theaterleiter äußert, man müsse irgendwie über die nächsten Monate und vielleicht Jahre kommen,...
