Erkenntnis und Geschichte
Als im Jahr 1722 der afghanische Stammesfürst Mir Mahmud Hotaki die persische Hauptstadt Isfahan eroberte und den Schah stürzte, da war das Thema auch in Hamburger Zeitungen. Die Ereignisse faszinierten offensichtlich so sehr, dass nahezu in Echtzeit ein Roman erschien, aus dem schon sechs Jahre später Georg Philipp Telemann eine Oper für das Haus am Gänsemarkt machte. Tagesaktuelle Sujets sind selten in der Oper, zumal in der barocken, die sich meist dem griechisch-römischen Stoffkreis widmet.
Telemanns «Miriways», bereits 2012 in Magdeburg szenisch realisiert und nun in einer Neuaufnahme vom Hamburger Telemann-Festival 2017 dokumentiert, geht es denn auch nicht um historische Korrektheit im Sinne des späteren Historismus, was man schon daran ablesen kann, dass die Oper wie der Roman den in der Realität ziemlich grausamen Warlord mit seinem eigenen Vater Mir Wais Hotak verwechselte. Miriways (sprich: Mi-ri-waïs) wird darin ganz im Sinne einer Geschichte als Lehrmeisterin vor allem der Fürsten zum gerechten Herrscher, der die (Heirats-)Diplomatie dem Krieg vorzieht. «Nimm in allen deinen Taten die Vernunft zum Führer an», lehrt er Sophi, den Sohn des abgesetzten Schahs, dem er ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Michael Stallknecht
Das ist großsprecherisch, prahlerisch, Italien und die Gascogne in einem, und: es ist wahr!» Das schrieb Hector Berlioz 1855 anlässlich der ihm vom jungen Hans von Bülow und von Liszt abverlangten Revision seines «Benvenuto Cellini» von 1838 für dessen Weimarer Revival in den 1850er-Jahren. Er hatte bei der Uraufführung alle überfordert, die Ausführenden ebenso wie...
Ich denke, die Opernhäuser und Orchester, aber auch wir Künstler selbst werden drei bittere Lehren aus der durch Corona erzwungenen Spielpause ziehen müssen:
1) «First in, last out»: Wie inzwischen immer deutlicher wird, sind die Abstands- und Hygiene-Auflagen für uns sehr viel strenger und deutlich inkonsequenter als in anderen Bereichen: Wieso dürfen zum Beispiel...
Sie könnte die musikalische Gattung der Stunde sein. Weil sie den Menschen in nicht gerade einfachen Zeiten ein bisschen Ablenkung verschaffte, im besten Fall Unterhaltung auf hohem Niveau. Und weil sie immer flexibel auf die jeweiligen Gegebenheiten zu reagieren, sich ihnen anzupassen wusste. Diese Flexibilität zeichneten die Operette und ihre Macher von jeher...
