Naher Osten

William Christie bringt mit «Hipermestra» eine Kostbarkeit von Francesco Cavalli nach Glyndebourne. Graham Vick hat sich in den Ölstaaten umgesehen

Opernwelt - Logo

Wenn das Land nach Dauerregen vom Sommer erfasst wird, treiben Englands Gärten aus wie kleine Tropenwälder. Saftig leuchtet Glyndebournes gestreifter Rasen. Jenseits des Ha-Has üben halbwüchsige Lämmer Bocksprünge, während im Kamin des Organ Rooms die Tauben gurren: Der Landsitz der Christies zeigt sich für Cavallis «Hipermestra» von seiner schönsten Seite.

Zwischen den Picknick-Gedecken schlendern auch zwei orientalische Paare umher. Die Männer tragen nach Golfstaatenart Thawb, Guthra und Sonnenbrille, die Frauen Hochzeitstracht.

Ein paar Ölmillionen könnte die britische Kunstszene ja gut gebrauchen – auch Glyndebourne, das nur fürs Touren bezuschusst wird. Zumal der frischgebackene Festivalchef Sebastian F. Schwarz im Programmbuch vor potenziellen Brexitfolgen warnt (siehe auch OW 6/2017): Steigende Kosten bedeuten schrumpfende Programme –  oder es müssen neue Geldquellen her. Wir dürfen uns also schon einmal die Partnerschaft mit Dubai vorstellen: Die Übertitelanlage bittet auf Englisch und Arabisch darum, die Handys auszuschalten. Und warum auch nicht? Für die Züge zum Luxus-Outlet-Center Bicester Village gibt’s schließlich auch chinesische Ansagen.

Glyndebournes neues ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Bayreuther Internationale

Man muss sich die Mitglieder der Richard-Wagner-Verbände als glückliche Menschen vorstellen. Aber wenn die vergangenen Jahre eines gezeigt haben, dann dies: Es wäre ein Fehler, sich  darauf zu verlassen.

Um die Stimmung zu verstehen, die heute in der organisierten Anhängerschaft herrscht, muss man in der Verbandschronik ein paar Jahre zurückblättern. Etwa zum 21....

Verplanscht

Die Bebilderung von Liedzyklen und Oratorien ist ein riskantes Unterfangen, sind doch die meisten Werke so komponiert, dass sie ohne szenische Zutaten auskommen. Nicht immer lässt sich daraus ein Mehrwert generieren, wie es der Pianist und amtierende Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, 2014 bei Franz Schuberts «Winterreise» geschafft hat, die...

Auf Armeslänge

Was hier wohl passiert ist? Man will es gar nicht genau wissen. Die Betondecke geborsten, die Kapelle auf der Bühne staubig, zerrupft und (leere Stühle signalisieren es) dezimiert. Ab und zu flackert das Licht, man hört ferne Detonationen und ein vorbeiziehendes Flugzeug. Es herrscht Krieg, ja gut. Aber wo? Offenbar nicht mehr draußen, auf dem Schlachtfeld, sondern...