Grimmig oder freundlich?
Karl Marx, eher bekannt als der ältere Mann mit Bart und grimmigem Blick, war unlängst als bohèmehafter, jugendlich-freundlicher Liebhaber ein Leinwandheld. Anlässlich seines 200. Geburtstags wird er demnächst denn auch in einer neuen Oper von Jonathan Dove figurieren. Grimmig oder freundlich? Man ist gespannt, wie sich «Das Kapital» oder wenigstens das «Kommunistische Manifest» in vertontem Zustand anhören werden.
Jenes hatte Sergei Eisenstein verfilmen, dieses Bertolt Brecht in Hexameter gießen wollen; Hanns Eisler interessierte sich ohnehin lebhaft für die Komposition solcherart heiliger Texte. Peter Ruzicka hingegen brachte das Kunststück fertig, eine «Celan»-Oper ohne Rekurs auf auch nur eine einzige Dichterzeile zu schreiben.
Ja, Opernsujets! Im Grunde ist ja mit der Handvoll uralter Mythen alles gesagt. Ödipus, Odysseus, Helena, Iphigenie und Konsorten, vielleicht noch Aeneas, Don Juan und Faust – vielfach variationsfähig und hinlänglich als ewiges Spielmaterial der conditio (oder commedia) humana. In allem anderen mithin nur Verkleidung, Neudrapierung des in Ursprungsdichtungen Gegebenen? Karl Marx, so gesehen: eine Mischung von Jupiter und Pluto? Oder halb ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Hans-Klaus Jungheinrich
«Ein bisschen absurd» sei die Angelegenheit, sagt er. «Es ist sogar etwas geisteskrank.» Schuld, Sühne, das mag da mitschwingen, wahrscheinlich auch anderes: Stolz. Zwei Premieren innerhalb von drei Tagen, Donizettis «Maria Stuarda» am Münchner Gärtnerplatz (22. März), dann Puccinis «Tosca» bei den Salzburger Osterfestspielen (24. März), das muss Michael Sturminger...
Frau Bridges, Sie wollten mal Basketball-Profi werden. Letztlich haben Sie sich für eine Sängerkarriere entscheiden. Ist Singen Leistungssport?
Aber sicher. Es geht da natürlich nicht so athletisch zur Sache wie beim Training oder im Spiel auf dem Feld. Doch auch auf der Bühne muss man Höchstleistungen bringen. Ich war nie mit Mittelmaß zufrieden, auch früher nicht...
«Traurig», stöhnte der Meister übers Libretto aus der Textwerkstatt à la Scribe, «demütigend», «uninteressant». Dann auch noch eine Primadonna, die kurzfristig aus Paris verschwand: Giuseppe Verdis «Les Vêpres siciliennes», so scheint es, sind die Presswehen noch heute anzumerken. Also Machwerk? Oder doch Vorzeichen der Moderne? Dabei fällt der Fünfakter ja gar...
