Höllenarbeit
In einer theaterinternen Typologie werden Repertoireopern gern Etiketten aufgeklebt: «Fidelio» und «Freischütz» sind heute immer heikle «Interpretationsfälle», der «Ring» ein Prüfstein, die «Soldaten» eine Herausforderung, die «Lustige Witwe» etwas für die Kasse - und «Hänsel und Gretel» etwas für die ganze Familie.
Zur letzten Kategorie gezählt wird häufig auch Janáčeks «Schlaues Füchslein», weshalb sich mancher Theaterchef wundert, dass nicht selten nach der offiziell anberaumten Orchesterprobenzahl noch Chaos herrscht – man hatte offenbar mit einer leichtbeschwingten Partitur im Gusto von «Peterchens Mondfahrt» gerechnet. In Wirklichkeit gehört das «Füchslein» zu allen erwähnten Typen-Kategorien, betrüblicher Weise aber nicht zu den Kassenschlagern. Eine vorösterliche Aufführung der anspruchsvollen (pausenlosen) Hagener Arbeit zeigte 40 Prozent Platzausnutzung.
An diesem Haus war man sich bewusst, was Einstudierung und Präsentation des Werks bedeuteten. Intendant Francis Hüsers, als Produktionsdramaturg beteiligt, sprach in der Einführung am Abend von einer «Höllenarbeit», die vor allem die musikalische Vorbereitung erzwinge. In der Tat traf das Orchester unter der Leitung von ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Hans-Klaus Jungheinrich
Drei Jahrzehnte lang hat Pierre Audi die Nationale Opera in Amsterdam geleitet – eine exorbitante Erfolgsgeschichte. Als Regisseur verabschiedete er sich geradezu bescheiden, dazu nicht einmal im Stammhaus, sondern im am Hafen gelegenen kleineren Muziekgebouw aan’t IJ; genau die richtige Spielstätte für Stefano Landis tragicommedia pastorale «La morte d’Orfeo» von...
Mondsüchtiger Taumel, laszive Erotik, rasende Obsessionen – schon die betörend schillernde Klarinettenfigur, mit der Strauss die Prinzessin aus Judäa einführt, lässt keinen Zweifel, dass sich etwas zusammenbraut. Im sehrenden Anfang schwingt das tödliche Ende bereits mit. All die Exzesse, Fantasien und Gefühlsexplosionen, die der 1905 in Dresden uraufgeführten...
Der Meister war voll des (untergründig-ironisch getränkten) Lobes. «Was uns bei Bellini bezauberte», heißt es in einem Brief Richard Wagners an Cosima, nachdem er Wilhelmine Schröder-Devrient in «I Capuleti e i Montecchi» gehört hatte, «war die reine Melodie, der schlichte Adel und die Schönheit des Gesangs.» Besonders ein Stück des Belcantokönigs, mit dem er sich...
