Stimmungsmacher

Grey: Frankenstein
Brüssel | La Monnaie

Unheimliche Dinge vernahm man über den Beginn des neuen Werks. Ein ohrenbetäubendes Dröhnen soll bei der Premiere die Plüschbestuhlung im ehrwürdigen Brüsseler Opernhaus zum Zittern gebracht und die Ankunft des Raumschiffs apokalyptisch begleitet haben.

Bei der fünften Vorstellung wollte man dem Publikum dann offenbar nicht mehr die volle Dosis des akustischen Infernos zumuten: Das Grummeln, Pfeifen, Rauschen war auf das Niveau eines Rockkonzerts im Altersheim gedrosselt, während man die Projektion einer Art Raumstation oder Kommandozentrale in einer unwirtlichen Schneelandschaft erkennt.

Die frostige Atmosphäre wird uns ständig begleiten in dem zweistündigen Werk, mit dem Mark Grey (Musik) und Júlia Canosa (Libretto) die Geschichte von Victor Frankenstein und seiner Kreatur aufgefrischt haben. Dabei wird Mary Shelleys Gruselgeschichte vom künstlichen Menschen, der sich für seinen Schöpfer und die Menschheit zum Albtraum entwickelt, hier wie durch eine vereiste Scheibe betrachtet. Man erinnere sich: 1816, als Westeuropa und die USA ein unheimliches «Jahr ohne Sommer» mit Missernten und Hungerkatastrophen erlebten (als Grund nimmt man heute einen Vulkanausbruch in Indonesien an), ...

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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Michael Struck-Schloen

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