Vermintes Terrain
In der Musik das Leben der Tschechen!» Bedřich Smetanas Motto markiert schlaglichthaft die Verbindung von Nation und Tonkunst. So schön dies auch klingen mag, so unvermeidlich führt die Formel auch auf vermintes Terrain: das der «Völkerpsychologie» – fatal, weil hier Halbfalsches und Halbwahres ineinandergreifen, wobei gerade Letzteres oft sogar gefährlicher ist. Erst im 19. Jahrhundert wurden Nationen mit unverlierbaren Eigenschaften, sprich Vorurteilen assoziiert. Der und das «Deutsche» sollten fundamentale Identifikation stiften, als Abgrenzung vom «Anderen».
Ausgerechnet in der menschheitsverbindenden Musik florierten die gegensätzlichen Zuordnungen. Italien, Frankreich, Russland avancierten zu «Musiknationen», komplex kodiert durch Institutionen der Hochkultur, prägende Komponisten und vitale Folklorepflege. Die Mischung, auch Eigenständigkeit, sah von Land zu Land anders aus. Holland und England etwa galten nicht unbedingt als Dorado autochthoner Komponisten.
Ähnliches kann man von der Schweiz sagen. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig: Es fehlten feudale Residenzen, höfische Kunstrivalität, auch der zentralistische Sog einer mächtigen Hauptstadt sowie eine einheitlich ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Gerhard R. Koch
Was ist Musik? Tönend bewegte Form, wie Eduard Hanslick postulierte, der einflussreichste Musikpublizist des späten 19. Jahrhunderts? Ausdruckskunst, die alle Sinne überwältigt, wie Richard Wagner sie in seinen mythenschweren Longplay-Dramen konzipierte? Klingender Einspruch gegen den Lärm der global verschalteten Welt? Reine Gefühlssache? Ungreifbare...
Der Stoff fand sich bei Wikipedia. Auf einer Seite, die Hochstapler und Betrüger listet. Der schottische Dramatiker David Harrower liebt Geschichten aus dem echten Leben. Also nahm er sich einen authentischen Kriminalfall vor, als Luke Bedford ihn um ein Libretto für einen Einakter bat, den Londons Royal Opera House bei ihm für einen «Faust»-Schwerpunkt 2014...
«La douceur de nôtre Chant Français», die Süße des französischen Gesangsstils und seiner poetischen Sprachdeklamation, mit der größeren Lebendigkeit und dem harmonischen Reichtum der italienischen Kammerkantate zu verbinden, war die erklärte Absicht Jean-Baptiste Morins (1677-1745), der um 1700 gleichzeitig mit Nicolas Bernier, einem Schüler des Venezianers Antonio...
