Schale neue Welt
Frauentag, Feiertag (wenngleich nur in der Hauptstadt), Freudentag. Ob es nun Zufall war oder hellsichtige Planung – für genau diesen Tag die Premiere von Bedřich Smetanas komischer Oper «Die verkaufte Braut» anzusetzen, besaß einen gewissen Charme, zumal mit Mariame Clément eine feministisch-aufgeklärte Regisseurin ihr Debüt an der Semperoper gab. Und wieder einmal bewies die Französin, welch feines Florett sie zu führen vermag. Doch der Reihe nach.
Denn das erste Wort hat die Musik.
Fortissimo, vivacisssimo wünscht sich der Komponist die F-Dur-Ouvertüre, ein furioses Fugato, das schon einige Dirigenten und so manches Orchester ins Schwitzen brachte. Nicht so Tomáš Netopil und die famose Staatskapelle Dresden. Messerscharfe Artikulation, pikante Akzente, ein generell erfrischender Drive – das alles ist vom Feinsten. Und etabliert mit der ausgestellten Ironie der folkloristischen Tanzeinlage durch das Ballett die Stoßrichtung dieses Abends: Vordergründig dominieren Ironie, Scherz und Satire, doch gleich dahinter lugt die herbe Kritik an einer materialistischen Gesellschaft hervor.
Clément und ihre Ausstatterin Julia Hansen haben die Geschichte in eine geschmacklos eingerichtete ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Jürgen Otten
Man sieht es und staunt: Keine Männer in Doppelripp oder Uniform, keine Vergewaltigung, kein Blut. Und auch keinerlei Ersatz mehr für den Sonntagabend-«Tatort». Dabei könnte Alexander Zemlinskys oft autobiografisch gedeuteter «Zwerg» – der Komponist war extrem klein und galt als hässlich – die erschütterndsten Metaphern liefern, etwa für die Ausgrenzung von...
Unheimliche Dinge vernahm man über den Beginn des neuen Werks. Ein ohrenbetäubendes Dröhnen soll bei der Premiere die Plüschbestuhlung im ehrwürdigen Brüsseler Opernhaus zum Zittern gebracht und die Ankunft des Raumschiffs apokalyptisch begleitet haben. Bei der fünften Vorstellung wollte man dem Publikum dann offenbar nicht mehr die volle Dosis des akustischen...
Schöner war Hoffnung wohl nie: «Zieh Gedanke, auf gold’nen Schwingen, / zieh und ruhe auf Fluren und Hügeln! / Lass die Sehnsucht den Lauf dir beflügeln, / bis zu Zions Gebirge und Tal.» Mögen diese luziden Verse nicht jedem Erdenbürger vertraut sein, die Musik dazu ist es mit ziemlicher Gewissheit – das Fis-Dur-Largo aus Verdis «Nabucco» zählt zu den...
