Schale neue Welt
Frauentag, Feiertag (wenngleich nur in der Hauptstadt), Freudentag. Ob es nun Zufall war oder hellsichtige Planung – für genau diesen Tag die Premiere von Bedřich Smetanas komischer Oper «Die verkaufte Braut» anzusetzen, besaß einen gewissen Charme, zumal mit Mariame Clément eine feministisch-aufgeklärte Regisseurin ihr Debüt an der Semperoper gab. Und wieder einmal bewies die Französin, welch feines Florett sie zu führen vermag. Doch der Reihe nach.
Denn das erste Wort hat die Musik.
Fortissimo, vivacisssimo wünscht sich der Komponist die F-Dur-Ouvertüre, ein furioses Fugato, das schon einige Dirigenten und so manches Orchester ins Schwitzen brachte. Nicht so Tomáš Netopil und die famose Staatskapelle Dresden. Messerscharfe Artikulation, pikante Akzente, ein generell erfrischender Drive – das alles ist vom Feinsten. Und etabliert mit der ausgestellten Ironie der folkloristischen Tanzeinlage durch das Ballett die Stoßrichtung dieses Abends: Vordergründig dominieren Ironie, Scherz und Satire, doch gleich dahinter lugt die herbe Kritik an einer materialistischen Gesellschaft hervor.
Clément und ihre Ausstatterin Julia Hansen haben die Geschichte in eine geschmacklos eingerichtete ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Jürgen Otten
Der Stoff fand sich bei Wikipedia. Auf einer Seite, die Hochstapler und Betrüger listet. Der schottische Dramatiker David Harrower liebt Geschichten aus dem echten Leben. Also nahm er sich einen authentischen Kriminalfall vor, als Luke Bedford ihn um ein Libretto für einen Einakter bat, den Londons Royal Opera House bei ihm für einen «Faust»-Schwerpunkt 2014...
In der Musik das Leben der Tschechen!» Bedřich Smetanas Motto markiert schlaglichthaft die Verbindung von Nation und Tonkunst. So schön dies auch klingen mag, so unvermeidlich führt die Formel auch auf vermintes Terrain: das der «Völkerpsychologie» – fatal, weil hier Halbfalsches und Halbwahres ineinandergreifen, wobei gerade Letzteres oft sogar gefährlicher ist....
Jubilare
Giorgio Zancanaro studierte in seiner Geburtsstadt Verona bei Maria Palanda und wurde 1969 beim Wettbewerb «Voci Verdiane» in Busseto entdeckt. Sein Debüt gab der Bariton ein Jahr später als Riccardo in Bellinis «I puritani» in Mantua. Daraufhin rissen sich die großen Opernhäuser Italiens um ihn. Zancanaro gelang es, u. a. als Giorgio Germont in «La...
