Gotteskinder
Die Kombination ist dramaturgisch schlüssig: Zwei veristische Einakter, beide im Milieu katholischer Ordensfrauen angesiedelt, überdies ist jeweils ein verstorbenes Kind konstitutiv für die Handlung. Umberto Giordanos «Mese Mariano», 1910 am Teatro Massimo in Palermo aus der Taufe gehoben, führt in ein von Nonnen betriebenes Waisenhaus. Dorthin musste Carmela ihren kleinen Sohn abschieben, als Preis für die Heirat mit einem Mann, der kein unehelich geborenes Kind aus einer Vorgängerbeziehung unter seinem Dach duldet.
Die Mutter möchte den Sohn im Waisenhaus besuchen, der aber ist in der Nacht zuvor verstorben. Die Oberin des Instituts bedient sich einer barmherzigen Notlüge, indem sie der Mutter erklärt, das Kind sei verhindert, weil es gemeinsam mit den anderen Waisen die Lieder für den Marienmonat einübe, den Mese Mariano.
Für das Libretto formte Salvatore Di Giacomo sein eigenes Schauspiel gleichen Titels um. Zentrum des Werks ist die große Erzählung, in der Carmela der Oberin den traurigen Lebenslauf des Kindes schildert. Hierzu freilich fehlt Giordano der kompositorisch lange Atem. Regisseurin Lara Sansone spult die Geschehnisse schnörkellos, aber leicht betulich ab. ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Michael Kaminski
Wer die Schönheit sucht, wird in den Filmen dieses Künstlers nur fündig, wenn er sich auf eine lange Reise begibt, vom Licht ins Dunkel. Filme von Michael Haneke sind eine Zumutung. Sie verstören, sie sind – dafür genügt es schon, allein «Funny Games» von 1997 anzuschauen – imstande, binnen zwei Stunden jeglichen Glauben an die Menschheit verlieren zu lassen. Sie...
Über die Liebe ist schon manch Klug-Erhellendes, Poetisch-Verdichtetes (und, ja, auch Staunenswertes) geschrieben worden. Eine der schönsten Charakterisierungen aber finden wir in der Bibel, im ersten Korintherbrief, Kapitel 13, Vers 4 bis 7: «Die Liebe ist langmütig und freundlich», heißt es da, «die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet...
Manchmal gleicht der Anfang schon dem Ende. Alles ist bereits erzählt, erlebt, durchlitten; auch die Musik, in diesem Fall das «Perdono»-Finale von Mozarts «Le nozze di Figaro», scheint, kurz vor Eintreten des Allegro assai, erschöpft zu sein. Aber wer weiß, vielleicht wird dieser Film über einen tolldreisten Tag auf dem Land noch einmal gedreht? Fast möchte man es...
