Nichts für Vampire: Lenneke Ruiten als Giunia in Brüssel; Foto: Bernd Uhlig

Gothic Seria

Mozart: Lucio Silla Brüssel | La Monnaie

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Musik eines 16-Jährigen, man fasst es ja immer wieder nicht. Und zu hören ist nicht nur, wie der Wunderknabe für seinen zweiten Mailänder Auftritt die Konventionen der Seria zwar nicht sprengte, aber wohl ausreizen, übertreffen, ja umrunden wollte. Deshalb schrieb er noch wahnsinnigere Rouladen, ausgreifendere Läufe, wildere Volten und steilere Sprünge in das Schema dieser Staats- und Liebesaktion hinein, in der es, einmal mehr, darum geht, dass ein Gewaltherrscher lernen muss, sich selbst zu beherrschen.

Silla liebt Giunia, die aber seinen Feind Cecilio; Anschläge gehen fehl, am Ende allseitige Begnadigung.

Das wollen wir vielleicht hören, aber sicher so nicht mehr sehen. Tobias Kratzer, dem Regiewunderknabenalter bald entwachsen, findet die brisanten Jetztzeitparallelen – ein schwer narzisstisch gestörter Obermachthaber, der Amt und Privates nicht auseinanderhalten kann – so offenkundig, dass er uns einen Donald Silla erspart. Die Fantasie entzündete sich an den abgründigen Ombra-Szenen, Geistergesprächen auf dem nächtlichen Friedhof, für die sich Mozart bei seinem (wie es heißt nekrophil veranlagten) Librettisten Da Gamerra inspirieren ließ. Rainer Sellmaier hat einen ...

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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Holger Noltze

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