Amira Elmadfa (Clorinde); Foto: Thomas M. Jauk/StagePicture
Eine Art Außenwelt
Auch nach der Rückkehr der Berliner Lindenoper ins Stammhaus bleibt die Programmschiene der Schillertheater-Werkstatt mit neuesten Kammeropern erhalten. Die «Neue Werkstatt» befindet sich im Intendanzgebäude und ersetzt den Charlottenburger Hinterhofcharme durch modernisierten Klassizismus: strenge Säulen einerseits, variables Raumkonzept andererseits.
Eröffnet wurde die Spielstätte mit einem eigens dafür verfassten Werk von Lucia Ronchetti. Die römische Komponistin steht dem Musiktheater nah, seinen tradierten Formen jedoch meist fern; auch ihr neues Stück «Rivale» belegt das.
Sie bedient sich eines Stoffes, der Opernkomponisten von Monteverdi bis Rossini angeregt hat – der Geschichte des Kreuzritters Tancred und seiner muslimischen Gegnerin Clorinda. Ronchetti hat sich ein Libretto vorgenommen, das Antoine Danchet 1701 für André Campra schrieb, und verdichtet es zu einem Monodram Clorindes. Situationen, Umstände, auch ihr Gegenüber Tancred sind abwesend, alle Kämpfe letztlich Kämpfe mit sich selbst. Clorinde leidet unter dem Widerspruch, den Mann, den sie liebt, als religiösen Todfeind bekämpfen zu müssen. Wäre sie imstande, diesen Widerspruch in ihrem Inneren aufzulösen, gäbe ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Uehling
Die historische Aufführungspraxis hat sich inzwischen auch an den Musikhochschulen fest etabliert. Wichtig aber ist, dass die Studenten möglichst rasch auch in Ensembles miteinander zu spielen, in der Gruppe Phrasierungen und Dynamiken zu entwickeln lernen. An der Münchner Musikhochschule leistet das seit 2014 die Accademia di Monaco, die Joachim Tschiedel,...
Bei Titeln wie «Lieder im Volkston» mag man sich an ein Wort – oder: eine Warnung – von Bertolt Brecht erinnern: «Das Volk ist nicht tümlich.» Sollte Brecht das Volk ... überschätzt haben? Unter dem Titel «Im Volkston» veröffentlichte der Berliner Verlag Anfang des vorigen Jahrhunderts drei Sammlungen von «komponierten Volksliedern» – eigentlich eine contradictio...
Seit zehn Jahren leitet Stefano Mazzonis di Pralafera das Opernhaus in Liège. Er ist gebürtiger Italiener und gelernter Opernregisseur. Sein künstlerisches Credo passt in einen Satz: «Wir sind ein italienisches Opernhaus in Belgien.» Auf dem Spielplan stehen Verdi, Puccini, Belcanto, manchmal Raritäten. Das Haus, in der laufenden Saison zu 100 Prozent (!)...
