Glaube, Liebe, Hoffnung
Das Geld und die Kunst lagen in London eigentlich schon immer und fast buchstäblich nebeneinander auf der Straße. Noch heute gibt es in der Bankenstadt, der kundige Zeitgenossen den poetisch-sarkastischen Beinamen «Laundramat» angedichtet haben, verstreut über die Viertel sogenannte «Theatre Pubs», wo im Erdgeschoss Unmengen von Pints durch durstige Brexitkehlen fließen und eine Etage höher Theater gespielt wird. Das Niveau ist überschaubar, aber Kunst muss ja nicht immer staatstragend oder glorios (oder beides) sein. Sie muss zunächst einmal stattfinden.
Und genau das ist in London gerade schwierig. Zumindest für ein Haus.
Aufgrund eines Beschlusses des «Arts Council England» werden die Subventionen für die English National Opera (ENO) ab der Saison 2023 bis mindestens 2026 zusammengestrichen. Der jährliche Zuschuss in Höhe von 12, 6 Millionen englischen Pfund wird storniert und durch eine Förderung von 17 Millionen Pfund für den gesamten Zeitraum ersetzt, was faktisch bedeutet, dass für die Kunst an der ENO kaum mehr etwas übrigbleibt. Jedenfalls zu wenig. Der Schock sitzt tief, die Kompanie wird wohl gezwungenermaßen nach Manchester ausweichen. Für die ohnehin schon von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Ungeliebte Schwestern sind sie beide, sind es im Grunde seit dem Tag, an dem sie das Licht der Welt erblickten. Während den Puschkin’schen Schöpfungen «Eugen Onegin» und «Pique Dame» sowie, wenngleich seltener, auch «Jolanthe» bis heute kontinuierlich ein Logenplatz zugewiesen wird, saßen sowohl die «Jungfrau von Orléans» (Jahrgang 1881) als auch die wesentlich...
Der Oper wird gern vorgeworfen, sie sei unheilbar gestrig: zu «weiß», zu hierarchisch, nicht divers genug. Auf den zunehmenden Legitimationsdruck reagieren die meisten Häuser eher zaghaft und lagern ihre (Alibi-)Bemühungen bevorzugt in Begleitveranstaltungen aus. Die Amsterdamer Nationaloper geht die Sache offensiv an: Bereits vor einem Jahr kam mit «Anansi» eine...
Vor genau 100 Jahren präsentierte die Oper Köln unter dem damaligen Musikchef Otto Klemperer die Uraufführung von Alexander Zemlinskys herrlich gemeinen Einakter «Der Zwerg» – in Kombination mit Igor Strawinskys «Petruschka»-Ballett (Paris 1911). Aus diesem Anlass konnte man heuer beide Werke in eben jener Anordnung in Köln erleben. Schön gemachte Videos weisen...
