Rosa Infantin im Raum
Vor genau 100 Jahren präsentierte die Oper Köln unter dem damaligen Musikchef Otto Klemperer die Uraufführung von Alexander Zemlinskys herrlich gemeinen Einakter «Der Zwerg» – in Kombination mit Igor Strawinskys «Petruschka»-Ballett (Paris 1911). Aus diesem Anlass konnte man heuer beide Werke in eben jener Anordnung in Köln erleben. Schön gemachte Videos weisen schon vor Beginn des eigentlichen Stückes auf die Uraufführung im Jahre 1922 hin. Der langgezogene Staatenhaus-Saal ist ein komplett durchgehender Laufsteg.
Und einzelne Sängerinnen verteilen beim Einlass freundlich Zuckerwatte und Komplimente an prominent platzierte Zuschauer.
Der Hofstaat der Infantin, die zum 18. Geburtstag einen hässlichen Zwerg als zynisches Geschenk überreicht bekommt, macht in der Inszenierung von Paul-Georg Dittrich durchweg Selfies. Völlig aufgescheucht, fast schon hysterisch verzweifelt, auf diversen Schönheitstrips. Der Zwerg selbst hat noch nie in den Spiegel geschaut, weiß nichts um seine nicht den Schönheitsidealen entsprechende Gestalt – und verliebt sich in die Prinzessin. Am Ende zeigt man ihm sein Antlitz, woraufhin er das Zeitliche segnet. Durch die unmittelbare Nähe zu den Sängerinnen ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Arno Lücker
Eine Ansage vor dem geschlossenen Vorhang verheißt selten etwas Gutes. In Essen muss die neue Intendantin Merle Fahrholz vor der Premiere von «Lucrezia Borgia» gleich mehrere krankheitsbedingte Umbesetzungen verkünden, darunter auch die zweier tragender Partien: Anstelle von Jessica Muirhead übernimmt Marta Torbidoni die Titelrolle, und statt Almas Svilpa...
Das Lob des Auferstandenen erstrahlt in A-Dur. Schließlich ist A-Dur in der Musik oft die Tonart für das Hell-Glänzende, mit Tendenz zum Edlen. «Geeignet für den Jubel und die Fröhlichkeit – das Große und Herrliche haben auch darin Raum», befindet Jean-Philippe Rameau im «Traité de l’harmonie», und ein gutes Jahrhundert später wird Wagners Lohengrin aus einem...
Ja selbst die Dümmsten, ja, die wirklich Doofen,
Die wissen: Hier, der Dings aus Bonn, der Typ
Der taub war und der deshalb ganz schön trüb
Gelaunt war und viel Zeit vor’m Zimmerofen
Verbrachte und den Rest der Zeit die Strophen
Der neunten Symphonie nach Schiller schrieb
Und dabei immer nur Zuhause blieb,
Ganz heiß gar auf stets neue Katastrophen!
Wie hieß der...
