Gewieft, gescholten, geliebt

Neunzig Jahre ist Wolfgang Wagner alt geworden. Sechsundfünfzig davon leitete er die Bayreuther Festspiele. Er war Enkel Richard Wagners und Urenkel von Franz Liszt – und ist doch ganz im Hier und Heute angekommen. Ein Nachruf

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Er sei einfach der «aller-, allerbeste Intendant der Welt», schrieb die Fränkin Waltraud Meier, als der Franke Wolfgang Wagner 75 wurde. Sie brachte damit zum Ausdruck, was alle dachten und spürten: dass dieser Enkel des großen Richard motivieren konnte wie kein zweiter Theaterchef. Weil er immer da war, wenn man ihn brauchte, ansprechbar, offen, nie um eine (oft salomonische) Lösung verlegen. Dieselbe Waltraud Meier trennte sich zehn Jahre später im Streit von Bayreuth, und sie blieb nicht die Einzige. Da war Wolfgang Wagner zwar immer noch da, aber regiert wurde von seiner Frau Gudrun.

Das Festspielhaus wirkte nun wie ein Bunker, man schaute sich nicht zuerst ins Gesicht, sondern auf den Hausausweis. Und was der Alte früher in fünf Minuten im Stiegenhaus klärte, das lief jetzt wochenlang über Anwälte. Vergessen wir diese Zeit. Wolfgang Wagner hat erreicht, was er wollte: Seine Töchter, die Halbschwestern Katharina und Eva, führen seit zwei Jahren die Festspiele. Möglich wurde dieses Modell erst, nachdem Gudrun Wagner 2007 überraschend gestorben war. Und so kam es 2008 noch zum letzten offiziellen Auftritt des alten Herrn. Lange hatte man ihn nicht gesehen. Viel wurde über seinen ...

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Opernwelt Mai 2010
Rubrik: In memoriam, Seite 24
von Stephan Mösch

Vergriffen
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