Gesichter der Liebe

Flirt mit dem italienischen Frühbarock: Magdalena Kozená singt Lieder von Monteverdi und seinen Zeitgenossen

Opernwelt - Logo

«Lettera amorosa» lautet der Titel eines Liebesbriefs aus dem Libro VII der Madrigale von Claudio Monteverdi. Die neun Minuten lange, dramatisch-theatralische Szene im kunstvoll-deklamatorischen und affektgeladenen Stil gab die Anregung für den Titel der neuen Anthologie von Magdalena Kozená. Im Beiheft heißt es, die Sängerin habe Musik dieser Art schon als 16-Jährige zusammen mit einem Lautenisten aufgeführt; allerorts ist denn auch zu lesen und zu hören, sie sei zwanzig Jahre später zu ihren Wurzeln zurückgekehrt.

Der Text zitiert die Sängerin neben etlichen Plattitüden mit der «Leichtigkeitslüge» (Holger Noltze), diese Musik spreche «auch Leute an, die sich selbst nicht als Kenner der klassischen Musik bezeichnen würden» – als könnten sich, beispielsweise, die erotischen Ambivalenzen von Barbara Strozzis «L'Eraclito amoroso» der Ahnungslosigkeit des «easy listening» erschließen. Magdalena Kozená singt diese Ciacona mit höchster expressiver Dringlichkeit, wobei es ihr gelingt, für den lamentosen Gesang des leidenden Philosophen eine weibliche Perspektive zu finden.

Der gefällige Titel des Albums, übrigens mit einem läppisch-modischen Gala-Foto aufgemacht, täuscht über den Inhalt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 17
von Jürgen Kesting

Weitere Beiträge
Pompöse Bilder

Deutsche Saison in Paris: Mozarts «Zauberflöte» an den Bouffes du Nord (siehe Seite 14), an der Opéra Bastille wächst ein «Ring des Nibelungen» heran, der zweite Anlauf der Opéra National, nachdem ein ehrgeiziges Projekt mit den Regisseuren Peter Stein und Klaus Michael Grüber, damals noch im Palais Garnier, nach der «Walküre» abgebrochen wurde, weil angeblich der...

Kitsch as Kitsch can

«Adriana Lecouvreur» wurde 1902 in Mailand uraufgeführt, bevor sie zwei Jahre später in einer ersten Produktion an der Royal Opera Covent Garden zu erleben war. Die letzte dortige Aufführung vor David McVicars aktueller Neuproduktion datiert, man höre und staune, in das Jahr 1906 zurück. Überhaupt war «Adriana Lecouvreur», abgesehen von gelegentlichen Gastspielen...

Kabarett im TV-Format

Die französische Übersetzung des deutschen Titels klingt ungemein pompös: «Grandeur et Décadence de la ville de Mahagonny». Grandeur, Décadence, man könnte denken, es handle sich um den Untergang eines Adelsgeschlechts oder das Ende des napoleonischen Staates. Stimmt aber nicht. Am Théâtre du Capitol in Toulouse ist das bekannte Stück von Brecht und Weill zu sehen,...