Entschlackte Bilder
Der große Peter Brook ist noch einmal an die Stätte seiner einstigen Triumphe zurückgekehrt. Viele Jahre leitete er das Théâtre des Bouffes du Nord. Der entkernte hohe Bühnenraum des einstigen Amüsieretablissements entsprach Brooks Theaterästhetik, für die der «Leere Raum» einen wichtigen Beitrag zur Inszenierung darstellt. Im Mittelpunkt dieses Raumes steht der Schauspieler, der Sänger. Auf den laufen alle Linien der theatralischen Aktionen zu. Und von ihm gehen, wie in der Vektorenrechnung, die Richtungspfeile in den Raum zurück.
Zwischen Raum und Darsteller entsteht dabei ein oft fast magisches Spannungsverhältnis.
Peter Brook, inzwischen 85 Jahre alt, aber unverändert lebendig im Ausdruck seines Gesichts und seiner wachen Augen, hat in diesem Theater auch Opern inszeniert: Bizets «Carmen» oder Debussys «Pelléas et Mélisande», in verschlankten Fassungen, nur mit Klavierbegleitung. «Carmen» trat wieder in die Nähe und Härte der Mérimée-Erzählung; «Pelléas» entfaltete gleichsam exotische Farben und Formen. Das japanische Nô-Spiel lugte hervor.
Jetzt also Mozarts «Zauberflöte». In einer typischen Brook-Version: der «Leere Raum», mit rot changierenden Farben ausgemalt, alles mürbe und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Rohde
Nach «Guillaume Tell» (1829) hat Rossini bekanntlich keine Opern mehr geschrieben und sich ins Privatleben zurückgezogen. Er fühlte sich künstlerisch ausgebrannt und wurde von verschiedenen Krankheiten geplagt. In den fast vier Jahrzehnten, die ihm noch zu leben blieben, betrieb er das Komponieren nur noch als Liebhaberei, schrieb neben geistlicher Musik zahlreiche...
Anthony Freud, vormals Intendant der Welsh National Opera, kam 2006 nach Houston. Gerade ist sein Vertrag als Leiter der Grand Opera (HGO) bis 2015 verlängert worden. Freud ist es nicht nur gelungen, die HGO finanziell über Wasser zu halten, er bemüht sich zudem stetig darum, neue Fans, insbesondere in der großen Gruppe der hispanischen und asiatischen Einwanderer,...
Im Genfer Programmheft sieht man die Sängerinnen der Elektra wie auf einer Perlenschnur aufgereiht – wenn die zarte Metapher für die Schwergewichte vergangener Tage überhaupt zulässig ist. Annie Krull, die den monströsen Part für die Dresdner Uraufführung in wenigen Wochen lernen musste, mit wirren Haaren; Zdenka Faßbender, die erste Münchner Elektra, mit bösem...
