Gerade noch gut gegangen

Verdi: La forza del destino an den Bühnen Bern

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Bei der Premiere saß die Claque gut hörbar links im Parkett. Dabei wäre sie gar nicht nötig gewesen, denn in Bern ereignete sich ein kleines Theaterwunder. Auf dem Spielplan stand Verdis «La forza del destino», keine triviale Aufgabe. Am Werk war ein Kreativ-Team um Regisseurin Julia Lwowski. Wer die aus dem Kollektiv «Hauen und Stechen» – was ja gut zu einer Kriegsoper wie «Forza» passt – stammende Truppe engagiert, beweist Wagemut und weiß nie so recht, was er bekommen wird. In Bern wird viel auf einmal geboten, viel zu viel.

Der ohnehin verworrenen Handlung sind mehrere zusätzliche Ebenen eingezogen: eine Rahmenhandlung, eine Heiligengeschichte, die Rassismus- und, klar, die Gender-Frage. Berns Bevölkerung gilt als langsam, aber auch sie wird dieser Themen wohl irgendwann überdrüssig. Sicherlich findet man in Verdis Oper einen Rassen-Aspekt: Don Alvaros Mutter war eine Inka, er ist also von gemischter Herkunft. Nur: Vater Calatrava hätte wohl jeden anderen Lover seiner Tochter ebenso zum Teufel gejagt. Und ja, Leonore verkleidet sich als Mann. Aber natürlich nicht aufgrund einer Identitätskrise, sondern um ihr Leben zu retten. So dicke Stricke hätte die Regie aus diesen Fäden ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Peter König

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