Gesänge der Traurigkeit
Sein Name dürfte wohl nur Eingeweihten etwas sagen. Ennio Porrino spielte in der italienischen Musikszene zeitlebens keine besonders hervorgehobene Rolle. Über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus erlangte nur das 1934 in Rom uraufgeführte, seiner sardischen Heimat zugeeignete symphonische Poem «Sardegna» eine gewisse Bedeutung; so nahm sich unter anderem der legendäre Leopold Stokowski dieses Werks an.
Porrinos Oper «I Shardana» sucht man vergebens auf den Spielplänen europäischer Opernhäuser, ebenso völlig im Dunkeln lag bislang das Liedschaffen dieses 1910 in Cagliari geborenen Komponisten.
Allein deswegen muss man das vorliegende Album, das den Titel von Porrinos gleichnamigem Zyklus trägt («I Canti dell ’Esilio»), als Gewinn einstufen. Im Kolorit erinnert vieles an die Lieder seines Lehrers Ottorino Respighi. Doch neigt Porrino, im erkennbaren Gegensatz zu Respighi, zu einer Simplizität der musikalischen Textur, die entfernt an die Werke eines Valentin Silvestrov oder Arvo Pärt gemahnen: Die Melodien sind von schlichter Eingängigkeit und Anmut (jedoch nicht zwingend Schönheit), die harmonischen Strukturen beinahe einfältig, naiv, kurz: überschaubar. Den tonalen Rahmen ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Medien, Seite 40
von Olga Myschkina
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