Von gestern auf morgen

Zeitgenössisches Musiktheater im Diskurs: «Malina» von Karola Obermüller und Peter Gilbert in Schwetzingen, die musikdramatische Selbstbetrachtung «Europa» in Freiburg, Andrea Tarrodis «Homo Oeconomicus» in Hannover und «Harvey Milk Reimagined» von Stewart Wallace in Hildesheim

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Der Satz hat Berühmtheit erlangt: «Es ist Mord!» Damit endet Ingeborg Bachmanns Roman «Malina», auf dem die gleichnamige Oper von Karola Obermüller und Peter Gilbert basiert. Frappierend daran ist, wie sehr man sich bei der Uraufführung des Werks bei den Schwetzinger Festspielen (in einer Produktion des Theaters Aachen) förmlich hineingezogen fühlt in den tödlichen Konflikt, der auf der Bühne verhandelt wird.

Bachmanns einziger vollendeter Roman aus dem fragmentarischen «Todesarten»-Projekt rückt Gewaltstrukturen im Alltag in den Blickpunkt: den Kampf der Geschlechter in einem patriarchalen System. Die Ursprünge des Faschismus verortet die Autorin im Privaten, in der Beziehung zwischen Mann und Frau. Tina Hartmanns Libretto zum Musiktheater «Malina» orientiert sich eng an der Buchvorlage. Deren sprunghafter Charakter, mit all den abrupten Bild- und Szenenwechseln, in denen sich konkrete Alltagsszenen, Erinnerungen, Traumsequenzen, Märchen und Briefauszüge mischen, bestimmt auch die Dramaturgie der Oper. Zwischen einer namenlosen Ich-Erzählerin, ihrem Geliebten Ivan (machohaft dominant: Micah Schroeder) und ihrem männlichen Alter Ego Malina (mit flexiblem Countertenor: Valer ...

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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Silvia Adler, Alexander Dick, Jürgen Otten

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