Geheimnislos
Leoš Janáček hat es den Regisseuren seiner Bühnenwerke wahrlich nicht leicht gemacht. Da verschlägt es einen gewissen Herr Brouček mal eben auf den Mond oder es wechselt die Hauptfigur, wie in der «Sache Makropulos», permanent ihren Namen (und die Jahrhunderte gleich dazu).
Die größte Herausforderung jedoch stellt «Das schlaue Füchslein» dar: Hier sieht die Partitur ein Figurenensemble vor, dem «Dachs», «Dackel», «Heuschrecke» und eine «Schopfhenne» angehören (um nur einige zu nennen) sowie die Titelheldin, die spricht und singt, liebt und leidet – und zuletzt sterben muss. Vordergründig erzählt diese Tierfabel-Oper von den Abenteuern der vom Förster eingefangenen Füchsin Schlaukopf, die am Försterhaus aufwächst, dann aber entflieht und bei ihren Begegnungen in der Wald- und Menschenwelt ganz nebenbei mit den großen Fragen des ewigen Lebenskreislaufs in Berührung kommt. Wie aber realisiert man das auf der Bühne?
In Chemnitz dergestalt, dass alles Parabelhafte ausgeklammert wird. In ihren zweiten gemeinsamen Arbeit am Haus machen Regisseur Joan Anton Rechi und sein Ausstatter Sebastian Ellrich aus der jungen Füchsin eine hospitalisierte Heranwachsende (Marie Hänsel) im rosa ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Werner Kopfmüller
Der Erzähler bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt: «It is a curious story.» In der Tat, es ist eine seltsame Geschichte. Schon die Vorlage zu Benjamin Brittens 1954 in Venedig uraufgeführter Oper «The Turn of the Screw» ist es, Henry James’ gleichnamige Novelle von 1898. Darin wird, verkürzt gesagt, eine der wesentlichen Fragen unserer Existenz gestellt: Ist...
Arme Nymphe. Allein ist sie, verraten und vielleicht sogar «verkauft». Derjenige, dem sie ihre reine Liebe schenkte, hat sie schmählich im Stich gelassen. Und trotzdem hofft die Gute, der Liebste möge zurückkehren. Also singt sie das anmutigste Lied, das ihr auf der Zunge, in der Kehle liegt, singt es mit dem allergrößten Sehnen, voller Inbrunst, dabei aber leise,...
Damit sie einst besser wissen würden, aus welchen Vergangenheiten sie stammten», hat Frank Schneider diese Erinnerungen für Kinder und Enkel aufgeschrieben – und im Erzählen über 500 Seiten eine Intonation durchgehalten, von der sich eine gewisse Wahrheitsgarantie nicht trennen lässt. Das sei vorweg gesagt, weil jede Autobiografie ein verfängliches Genre, ein in...
