Geheimnislos
Leoš Janáček hat es den Regisseuren seiner Bühnenwerke wahrlich nicht leicht gemacht. Da verschlägt es einen gewissen Herr Brouček mal eben auf den Mond oder es wechselt die Hauptfigur, wie in der «Sache Makropulos», permanent ihren Namen (und die Jahrhunderte gleich dazu).
Die größte Herausforderung jedoch stellt «Das schlaue Füchslein» dar: Hier sieht die Partitur ein Figurenensemble vor, dem «Dachs», «Dackel», «Heuschrecke» und eine «Schopfhenne» angehören (um nur einige zu nennen) sowie die Titelheldin, die spricht und singt, liebt und leidet – und zuletzt sterben muss. Vordergründig erzählt diese Tierfabel-Oper von den Abenteuern der vom Förster eingefangenen Füchsin Schlaukopf, die am Försterhaus aufwächst, dann aber entflieht und bei ihren Begegnungen in der Wald- und Menschenwelt ganz nebenbei mit den großen Fragen des ewigen Lebenskreislaufs in Berührung kommt. Wie aber realisiert man das auf der Bühne?
In Chemnitz dergestalt, dass alles Parabelhafte ausgeklammert wird. In ihren zweiten gemeinsamen Arbeit am Haus machen Regisseur Joan Anton Rechi und sein Ausstatter Sebastian Ellrich aus der jungen Füchsin eine hospitalisierte Heranwachsende (Marie Hänsel) im rosa ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Werner Kopfmüller
Ungeliebte Schwestern sind sie beide, sind es im Grunde seit dem Tag, an dem sie das Licht der Welt erblickten. Während den Puschkin’schen Schöpfungen «Eugen Onegin» und «Pique Dame» sowie, wenngleich seltener, auch «Jolanthe» bis heute kontinuierlich ein Logenplatz zugewiesen wird, saßen sowohl die «Jungfrau von Orléans» (Jahrgang 1881) als auch die wesentlich...
Arme Nymphe. Allein ist sie, verraten und vielleicht sogar «verkauft». Derjenige, dem sie ihre reine Liebe schenkte, hat sie schmählich im Stich gelassen. Und trotzdem hofft die Gute, der Liebste möge zurückkehren. Also singt sie das anmutigste Lied, das ihr auf der Zunge, in der Kehle liegt, singt es mit dem allergrößten Sehnen, voller Inbrunst, dabei aber leise,...
Francesca Zambellos Neuinszenierung von Strauss’ «Elektra» an der Washington National Opera profitiert in hohem Maße von ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit Christine Goerke, die auch in dieser Produktion wieder einmal beweist, in welch fabelhafter stimmlicher Verfassung sie gegenwärtig ist. Nachdem sie 2008 erstmals die Chrysothemis verkörpert hatte, avancierte...
