Gefährliche Liebschaften
Dass Benjamin Britten und zahlreiche andere Komponisten des 20. Jahrhunderts um die Schönberg’sche Dodekaphonie und deren Folgen einen Bogen schlugen, war nicht nur das Resultat eines ästhetisch begründeten Unbehagens. Die Reserve gegenüber den Konstruktionen der Zwölfton-Avantgarde hatte auch handfeste rezeptionspolitische Gründe: Man wollte, statt bloß im Kreise eingeweihter Spezialisten zu glänzen, lieber das breite Publikum erreichen.
Zum Typus des pragmatischen Tonsetzers, der sich weniger als Missionar einer bestimmten stilistischen Wahrheit denn als Dienstleister für den Konzert- und Theaterbetrieb versteht, zählt zweifellos auch der 1963 geborene Wahlberliner Christian Jost. Bislang tat sich Jost vor allem mit Kammermusik, Solokonzerten und Symphonien hervor. Nun legte er seine erste abendfüllende Arbeit für die Bühne vor – im Auftrag der Deutschen Oper am Rhein und unterstützt vom Kultursekretariat des Landes Nordrhein Westfalen.
«Vipern. Eine mörderische Begierde in vier Akten» haben der Komponist und sein Librettist Tim Coleman das knapp zweistündige Opus genannt – eine schwül-groteske Kriminalgeschichte, die auf ein Drama der beiden Shakespeare-Zeitgenossen Thomas ...
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Durch Gewitter und Sturm: Die Mannen Donalds haben eine beschwerliche Reise zum schottischen Heimathafen hinter sich. Donald? Ganz richtig: Besucher des konzertanten «Fliegenden Holländers» 2004 in der Essener Philharmonie dürften sich zunächst ungläubig die Augen gerieben haben. Die Deutsche Welle titelte klug zur «Urfassung», dass viele Wagnerianer sich über den...
Süß, diese Schäfchen. Wirklich entzückend, wie sie da, inmitten der glanzvoll kostümierten und choreografierten Singspiel-Schar, auf ihren blauen Rollen unschuldig weiß übers Parkett gerollt werden und dabei ganz zärtlich und dumm ausschauen – was wiederum zu der an diesem vornehmen Orte erzählten, tränenrührenden Geschichte wunderbar passt: Denn was wäre ein...
Zur Feier des 80. Geburtstages von Pierre Boulez ist es ein Vergnügen, den «Spiegel» von 1967 (Nr. 40, 25. September) herauszusuchen. Schließlich ging dessen legendärer – einer redaktionellen Überspitzung entsprungener – Interview-Titel «Sprengt die Opernhäuser in die Luft!» in die Musikgeschichte ein. Was Boulez da sagte, ist nicht nur sehr unterhaltsam («Henze...
