Silber und Satin
Bevor sich der Vorhang der Deutschen Oper Berlin an diesem Januar-Abend hob, dürfte sich die Neugier vieler Besucher darauf beschränkt haben, Deborah Voigt in ihrem Rollendebüt als Marschallin zu sehen. Hieß es doch, die bis vor kurzem bedenklich übergewichtige Diva sei nicht mehr wiederzuerkennen, seit sie ihren Magen auf die Größe einer Walnuss habe verkleinern lassen und über vierzig Kilo abnahm. Jetzt räkelt sich Voigt dort vorne auf der Bühne zwischen cremefarbenen Satinlaken und schmunzelt.
Und lässt den Träger ihres Negligés wie zufällig von der Schulter gleiten, das kann sie sich leisten. Voigt hat sich in eine ausgesprochen schöne Frau verwandelt, aber das ist nicht das eigentliche Wunder dieses «Rosenkavaliers». Das offenbart sich darin, wie Voigt die Marschallin singt und gestaltet. Als wäre Marie Theres eine gute Freundin und ein Stück von ihr selbst. Eine Frau, die mitten im Leben steht und dieses Leben genießt. Frisch, natürlich, ganz ungekünstelt, mit leichten Händen und leichtem Herzen, selbstbewusst, spielerisch und, wenn's sein muss, sehr bestimmt. Voigts Textverständlichkeit, ihre genau durchdachte Wortbehandlung übertrifft die ihrer Kollegen an diesem Abend ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Fünftklassig» – so wurde Ottorino Respighi durch seinen Enkelschüler György Ligeti eingestuft. Es darf bezweifelt werden, ob Ligetis stupendes musikhistorisches Bewusstsein hier mehr als nur die römische Orchestertrilogie parat hatte. Denn angesichts der jetzt erstmals eingespielten Oper «La Campana sommersa» (1923-1927) bedarf das gängige Respighi-Bild dringend...
Eigentlich müssten die dunklen, ungreifbaren Ängste der Mélisande und ihres Schwagers Pelléas in Palermo, wo die ungreifbare Mafia herrscht, auf eine gewisse Seelenverwandtschaft treffen: Nichts ist gewiss, aber alle wissen es. Gewiss ist nur, dass der derzeit mächtigste Boss Bernardo Provenzano seit mehr als vierzig (!) Jahren unauffindbar ist, obwohl er in...
Wie sich die Titel gleichen: «Keine Angst vor neuen Tönen» nennt Ingo Metzmacher seinen engagierten, ganz persönlichen und unmittelbaren Wegweiser in die Welt der Musik des 20. Jahrhunderts; unter dem Motto «Who Is Afraid of 20th Century Music» veranstaltete und dirigierte der GMD der Hamburgischen Staatsoper – und designierte Musikchef der Amsterdamer Oper –...
