Gebändigte Wut
Vivi, tiranno: Bertarido hat gerade das Leben des Usurpators Grimoaldo gerettet, dennoch erwartet er den Tod. Seinen Zorn entlädt er in heftigen Wutaffekten und Koloraturkaskaden. Darin lässt Bejun Mehta, zur Zeit quasi der «King» der Counters, sich nicht lumpen: Kristallklar und gestochen kommen sie, technisch makellos gebändigt trotz aller Intensität.
Freilich, dass diese (erst für die Wiederaufnahme des Werks im Dezember 1725 nachkomponierte) B-Dur-Arie ein nicht so ganz ernst zu nehmendes lieto fine einleitet, wird in der Aufführung von «Rodelinda» im Theater an der Wien spätestens dann offenbar, wenn Dirigent Nikolaus Harnoncourt den Takt mit einem blitzenden Messer angibt, das er plötzlich hervorzaubert.
Sohn Philipp, für die Inszenierung verantwortlich, hat dem Vater diesen Coup abgeluchst, weil der Schluss von «Rodelinda» geradezu Hollywood-Charakter hat: ein völlig überraschendes, geradezu an den Haaren herbeigezogenes «Happy ending». Der böse Grimoaldo (souverän: Kurt Streit) ist so böse nicht, gibt nach und begnügt sich mit Eduige (profund und köstlich: Malena Ernman), mit der er bereits einmal liiert war, die er aber stehen ließ, weil ihm Bertaridos Gattin Rodelinda den ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Gerhard Persché
Vergessen, Erinnern und Wiederentdecken gehören zum Rhythmus der Künste, gerade des Musiktheaters. Dass Pietro Mascagni, Komponist aus der Toskana in der Verdi- und Puccini-Nachfolge, der fast 20 Opernpartituren schrieb, nur mit dem schroffen Verismo seiner Jugendoper «Cavalleria rusticana» (1890) überleben soll, schien unabänderlich zu sein. Doch eroberte seine...
Ach, Aida, wie siehst du nur aus! So ruft unsere innere Stimme, als Gweneth-Ann Jeffers die Bühne betritt, mit einer Ledermappe in der Hand und müder Miene, in miserabel sitzender Kniehose und Oma-Gerda-aus-Pusemuckel-Bluse. Eine Sklavin ist sie nicht, die äthiopische Königstochter, aber eben auch keine Königstochter mehr. So wie Amonasro, ihr auch vokal...
Frau Moses, Sie sind 2009 in Dessau mit dem Anspruch eines politischen Musiktheaters gestartet. Was haben Sie inzwischen bewirkt?
Unser Ziel war es, das bürgerliche Bewusstsein der Menschen hier, das 1989 einmal kurz und heftig aufflackerte, wieder aus der Resignation zu erwecken. Ob uns das nachhaltig gelungen ist, muss die Zeit zeigen. Aber schon aus der Art, wie...
