Gebändigte Wut

Händels «Rodelinda» im Theater an der Wien mit Vater und Sohn Harnoncourt

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Vivi, tiranno: Bertarido hat gerade das Leben des Usurpators Grimoaldo gerettet, dennoch erwartet er den Tod. Seinen Zorn entlädt er in heftigen Wutaffekten und Koloraturkaskaden. Darin lässt Bejun Mehta, zur Zeit quasi der «King» der Counters, sich nicht lumpen: Kristallklar und gestochen kommen sie, technisch makellos gebändigt trotz aller Intensität.

Freilich, dass diese (erst für die Wiederaufnahme des Werks im Dezember 1725 nachkomponierte) B-Dur-Arie ein nicht so ganz ernst zu nehmendes lieto fine einleitet, wird in der Aufführung von «Rodelinda» im Theater an der Wien spätestens dann offenbar, wenn Dirigent Nikolaus Harnoncourt den Takt mit einem blitzenden Messer angibt, das er plötzlich hervorzaubert.

Sohn Philipp, für die Inszenierung verantwortlich, hat dem Vater diesen Coup abgeluchst, weil der Schluss von «Rodelinda» geradezu Hollywood-Charakter hat: ein völlig überraschendes, geradezu an den Haaren herbeigezogenes «Happy ending». Der böse Grimoaldo (souverän: Kurt Streit) ist so böse nicht, gibt nach und begnügt sich mit Eduige (profund und köstlich: Malena Ernman), mit der er bereits einmal liiert war, die er aber stehen ließ, weil ihm Bertaridos Gattin Rodelinda den ...

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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Gerhard Persché

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