Apropos ... politisches Theater
Frau Moses, Sie sind 2009 in Dessau mit dem Anspruch eines politischen Musiktheaters gestartet. Was haben Sie inzwischen bewirkt?
Unser Ziel war es, das bürgerliche Bewusstsein der Menschen hier, das 1989 einmal kurz und heftig aufflackerte, wieder aus der Resignation zu erwecken. Ob uns das nachhaltig gelungen ist, muss die Zeit zeigen. Aber schon aus der Art, wie unsere Inszenierungen hier aufgenommen worden sind, kann man vielleicht ablesen, dass da etwas in Gang gekommen ist.
Während mein Bundestags-«Lohengrin» zuerst bei Teilen des Publikums noch auf heftige Ablehnung stieß, war das Klima bei der «Stummen von Portici» schon viel offener. Und als die Finanzierung des Theaters von der Politik in Frage gestellt wurde, hat sich gezeigt, dass die Leute hier zu uns stehen und sich für uns einsetzen.
Mit Mussorgskys «Chowanschtschina» haben Sie jetzt eine der politischsten Opern überhaupt. Sehen Sie da, ähnlich wie beim «Lohengrin» auch Anknüpfungspunkte an die politische Realität der Republik?
Natürlich muss auch dieses Stück etwas mit uns zu tun haben, damit, in was für einer Welt wir leben. Aber der Ort von «Chowanschtschina» ist erst mal Russland und nicht die BRD. Was uns ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Jörg Königsdorf
Eine knappe Woche vor dem großen Tag fiel die Entscheidung. Kein Anruf bei den Agenturen, keine Fahndung nach einem prominenten Ersatz für die an Lungenentzündung erkrankte Vesselina Kasarova; stattdessen ein Gespräch mit der zum Ensemble gehörenden Mezzosopranistin Tara Erraught. Ein Risiko, gerade im nach Namen lechzenden München: Erraught, die 24-jährige Irin,...
Ach, Aida, wie siehst du nur aus! So ruft unsere innere Stimme, als Gweneth-Ann Jeffers die Bühne betritt, mit einer Ledermappe in der Hand und müder Miene, in miserabel sitzender Kniehose und Oma-Gerda-aus-Pusemuckel-Bluse. Eine Sklavin ist sie nicht, die äthiopische Königstochter, aber eben auch keine Königstochter mehr. So wie Amonasro, ihr auch vokal...
Es ist eine Berufung mit Planziel. Nicht nur, dass die Stadt mit ihrem neuen Intendanten Übliches vereinbart hat, im Fall von Ulf Schirmer zwei Premieren und bis zu 30 Dirigate pro Spielzeit. Zugleich erging auch ein inhaltlicher Auftrag: Die Leipziger Oper müsse zum Repertoire-Haus umgebaut werden. «Kein Stagione-Betrieb also», sagt der gerade Berufene, «weg auch...
