Fürchtet euch nicht!

Ligeti: Le Grand Macabre
Berlin | Philharmonie

Opernwelt - Logo

Breughelland ist noch lange nicht abgebrannt. Und radioaktiv schon mal gar nicht. Da können noch so viele gelbe Giftfässer in der Philharmonie herumstehen, noch so viele Stimmakrobaten in weißen Schutzanzügen auf der Bühne wuseln und noch so viele Atompilze auf Flatscreens aufsteigen. In György Ligetis frei nach Michel de Ghelderodes Schauspiel «La Balade du Grand Macabre» gestaltetem Absurdistan ist die dem Abgrund entgegenschlingernde Menschheit so quietschfidel und rabenschwarz wie immer.

Mitte der 70er-Jahre hatte er sein aberwitzig vertracktes Höllengelächter für großes Orchester, Chor und ein gutes Dutzend Solisten im Auftrag der Stockholmer Oper komponiert, die Partitur zwei Jahrzehnte später noch einmal grundlegend überarbeitet. Und uns damit jene Fassung seines «Grand Macabre» geschenkt, die bis heute nichts von ihrer geistsprühend-anarchischen Frische, ihrem klangwütigen Trotz und bissigen Humor verloren hat.

Das sieht auch Simon Rattle so. Jedenfalls verwandeln sich die Berliner Philharmoniker zum Auftakt einer kleinen «Macabre»-Tour, die nach drei szenischen Konzerten in Berlin nach Dortmund und Essen führte, unter seinen Händen in eine wundersame Zauberrappelkiste, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Auf schmalem Grat

Von einem, der auszog, das Fürchten zu lehren. Auch er verliert sich so hemmungs- wie rücksichtslos in hochfliegende Lügenträume, in «alternative facts». Er möchte Kaiser der Welt sein und ist doch bloß Kaiser der Selbstsucht. Auch er wohnt irgendwann mal in einem weißen Haus, allerdings einem aus Holz gezimmerten. Auch er hat rotblonde Haare, doch nicht als...

Ausgebleicht

Das Stück ist sakrosankt, unantastbar. Vollendete Vokalkunst. Und einer der tristesten Klagegesänge der Musikgeschichte. «When I am laid in earth», Didos Weltabschiedsarie, trägt den Schmerz einer ganzen Epoche in sich, ist aber zugleich von einer so ätherischen Schönheit, dass man das Leben im Jenseits fast schon wieder als wunderbar imaginieren möchte. Der Tod...

Unbehaust

Vierzehn Jahre waren seit der ersten Aufführung des kompletten Werks in London vergangen, als die Frankfurter Oper «Les Troyens» von Hector Berlioz 1983 ebenfalls so gut wie ungekürzt herausbrachte, musikalisch von Michael Gielen ähnlich entzündet wie von dem feuereifrigen Berlioz-Pionier Colin Davis in Covent Garden. Doch szenisch war die Frankfurter Produktion...