Fröhlicher Flaneur

Er war eine der originellsten Stimmen der deutschsprachigen Kulturkritik: Zum Tod von Hans-Klaus Jungheinrich

Opernwelt - Logo

Diese Leichtigkeit. Sie war eine Gabe, ein Geschenk. Und eine Haltung, die seinen Blick auf die Welt zeitlebens prägte. Hans-Klaus Jungheinrich war ein unstillbar neugieriger, unbestechlicher, blitzgescheiter Beobachter, der in beneidenswert flüssiger Anschaulichkeit beschrieb, was er sah, hörte, erlebte. Auch wenn die Musik das Gravitationszentrum seiner vielfältigen Interessen bildete, so zeugen seine Texte vor allem von dem immensen geistigen Horizont eines Mannes, der sich für Literatur, Malerei, das Kino ebenso begeisterte wie für Architektur, Geschichte – und die Natur.

Ausgestellt hat er diese profund gebildete Weite nie, doch schwingt sie in jeder seiner (oft durch kühne Bilder und Assoziationen belebten) Zeilen mit, die er in schwindelerregendem Tempo produzierte.

Nicht nur in dem kleinen Opernführer «Hohes C und tiefe Liebe», den er 2010 veröffentlichte, 33 brillanten Miniaturen zu Werken von Claudio Monteverdi bis Steve Reich, wird das exemplarisch deutlich: Die Gedanken fliegen freudig und frei, in unterhaltsam geschliffenen Formulierungen. Ob er über Dirigenten, über Symphonik oder tschechische Musik schrieb, die er so sehr liebte – immer ging da ein weise lächelnder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Einfach hinreißend

Das Erstaunlichste an dieser außerordentlichen Künstlerin ist ihre Vielseitigkeit. Tora Augestad, 1979 im norwegischen Bergen geboren, seit 2007 Wahl-Berlinerin, aber eigentlich meist unterwegs, lässt sich auf keinen marktgriffigen Nenner herunterbrechen. Mit 14 stand sie als Annie in dem gleichnamigen Musical von Charles Strouse auf der Bühne, in Oslo und...

Unstillbares Begehren

Dass Rossinis später «Comte Ory» mehr ist als eine Zweitverwertung der Noten für «Il viaggio a Reims», nämlich eine ingeniös eigenständige, sehr speziell französisch-italienische opéra-comique, hat sich herumgesprochen. Und dass es hier inhaltlich mehr zu erzählen gibt als eine Fraueneroberungsklamotte aus der Kreuzzugszeit, verspricht Denis Podalydès’ zuerst in...

TV-Klassiktipps Februar 2019

alpha

10.02. – 20.15 Uhr
Rafael Kubelik dirigiert
Bruckner: 6. Symphonie

arte

01.02. – 05.55Uhr
Daniel Hope – Der Klang des Lebens

Daniel Hope, seit 2016 Musikdirektor des renommierten Zürcher Kammerorchesters und einer der gefragtesten Geiger der Gegenwart, wurde 1973 in Südafrika geboren. Sein Vater bekam als regimekritischer Schriftsteller die Härte des...