Fröhlicher Flaneur
Diese Leichtigkeit. Sie war eine Gabe, ein Geschenk. Und eine Haltung, die seinen Blick auf die Welt zeitlebens prägte. Hans-Klaus Jungheinrich war ein unstillbar neugieriger, unbestechlicher, blitzgescheiter Beobachter, der in beneidenswert flüssiger Anschaulichkeit beschrieb, was er sah, hörte, erlebte. Auch wenn die Musik das Gravitationszentrum seiner vielfältigen Interessen bildete, so zeugen seine Texte vor allem von dem immensen geistigen Horizont eines Mannes, der sich für Literatur, Malerei, das Kino ebenso begeisterte wie für Architektur, Geschichte – und die Natur.
Ausgestellt hat er diese profund gebildete Weite nie, doch schwingt sie in jeder seiner (oft durch kühne Bilder und Assoziationen belebten) Zeilen mit, die er in schwindelerregendem Tempo produzierte.
Nicht nur in dem kleinen Opernführer «Hohes C und tiefe Liebe», den er 2010 veröffentlichte, 33 brillanten Miniaturen zu Werken von Claudio Monteverdi bis Steve Reich, wird das exemplarisch deutlich: Die Gedanken fliegen freudig und frei, in unterhaltsam geschliffenen Formulierungen. Ob er über Dirigenten, über Symphonik oder tschechische Musik schrieb, die er so sehr liebte – immer ging da ein weise lächelnder ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Albrecht Thiemann
Er hat es geschafft, wieder einmal. In einem unmöglichen, halb verunglückten, krausen Kunstwerk den zeitlos gültigen Kern freizulegen. Zu jenen verborgenen Kräften vorzudringen, die von Anbeginn die menschliche Existenz befeuern – im Guten wie im Schlechten. Liebe und Hass, mit allen Zwischentönen – das ist das große, nie erledigte Thema, dem sich Christof Loy...
Ganz schnell kann so etwas gehen, innerhalb einer Woche. Einmal «La Bohème», einmal «La sonnambula», eine Rossini-Farce, das Neujahrskonzert, und Termin für Termin, salamitaktisch, wird die Erinnerung an Gustav Kuhns musikalisches Wirken gelöscht. Verantwortlich dafür: Paolo Carignani, Friedrich Haider, Oksana Lyniv und Patrick Hahn. Und eine Übergangsregierung...
Relativ spät, mit Anfang 40, wendet sich der ungarische Komponist und Dirigent Péter Eötvös intensiv dem Genre Musiktheater zu. Bis zum Ende der 1990er-Jahre entstehen die Opern «Drei Schwestern» und «As I Crossed a Bridge of Dreams»; es folgen im neuen Millennium «Le Balcon», «Angels in America», «Lady Sarashina», «Love and Other Demons», «Die Tragödie des...
