Freunde, vernehmet die Geschichte
Die Substanz einer Oper ist das Sichtbare, nicht das Erzählbare», stellte der Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus einmal kategorisch fest. Dem Opernliebhaber fallen freilich auf Anhieb etliche Szenen ein, in denen recht hemmungslos erzählt wird: Lohengrins Gralserzählung, Wotans großer Monolog im zweiten Akt der «Walküre», die Mägdeerzählung des Ochs auf Lerchenau oder auch das Vilja-Lied in der «Lustigen Witwe». Oft sind solche Passagen von zentraler Bedeutung für das Verständnis des betreffenden Werkes.
Sollten sie dennoch mit der «Substanz der Oper» nichts zu tun haben?
Vermutlich hat Dahlhaus es anders gemeint. Ein Beispiel: Im zweiten Akt der «Zauberflöte» erläutert die Königin der Nacht Pamina, ihr Vater habe den siebenfachen Sonnenkreis, Instrument und Symbol seiner Herrschaft, nicht ihr, sondern Sarastro und den Eingeweihten hinterlassen: «Mit deines Vaters Tod ging meine Macht zu Ende.» Das wirft nun einige Fragen auf: Wie konnten Sonne(nkönig) und (Königin der) Nacht in anscheinend harmonischer Ehe leben? Hat die «Nacht» sich der überlegenen «Sonne» unterworfen? Was konnte der Verlust des Sonnenkreises ihrer (dunklen) Macht anhaben (zumal sie laut Libretto zwar den ...
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Köln, 18. Mai 1957. Eröffnungsfestakt am Offenbachplatz für das neue Opernhaus. Otto Ackermann, Kölns damaliger GMD, dirigiert Beethovens dritte Leonoren-Overtüre, bevor – nach einigen Reden – Webers «Oberon» aufgeführt wird, mit der kurzfristig eingesprungenen Leonie Rysanek als Rezia.
Die Jahre des provisorischen Spielorts in der Aula der alten Universität waren...
Wo des Allmächtigen Einfluss beständig spürbar, wo der Mensch selbst samt seiner Ideale an diesen gekoppelt ist wie ein Schaf an seinen (guten?) Hirten, wo also gleichsam göttliches Licht gen Erden strahlt, damit es hell werde in den Seelen der Menschen – da wirkt ein mit winzigen Lichtschlitzen ausgestatteter Kirchenraum, der zugleich ein ausfluchtsloser Ort ist,...
Aha, denkt der MTV-versierte Zuseher sich zu Beginn: «Alles im Arsch». An den Videoclip zu diesem Song von Jan Delay und Udo Lindenberg erinnert, was sich da beim «Trovatore» auf der neuen Bühne des Slowakischen Nationaltheaters tut: Mafiosi konspirieren in einer Tiefgarage, und ihr Anführer (Schlapphut, Sonnenbrille, lange Haare) scheint Udo, dem Paten aller...
