Archaischer Kindertraum

Wolfgang Schreiber über die Uraufführung von Unsuk Chins «Alice in Wonderland» in München

Opernwelt - Logo

Der Regisseur, sagte die Komponistin vor der Uraufführung, habe ihre «Unzufriedenheit» bemerkt. Sie müsse aber achtgeben, was sie über die Inszenierung sage, denn «ich will keinen Skandal». Er, das ist der 73-jährige Bühnen­künstler Achim Freyer, sie die 45-jährige, aus Korea stammende Komponistin Unsuk Chin, die Lewis Carrolls Kinderbuch für Erwachsene «Alice in Wonderland» zur großen Oper gemacht hat, im Auftrag der Bayerischen Staatsoper und des Generalmusikdirektors Kent Nagano.

Unsicher war sie, was sie von Freyers alptraumhafter Statik einer finsteren Bühne und ihrer marionettenhaft geführten Figuren halten solle. «Alice in Wonderland» ist die erste Bühnenarbeit der in Seoul geborenen Komponistin, die bei György Ligeti in die Schule gegangen ist und seit fast zwei Jahrzehnten in Berlin lebt.
Am Ende, bei Buhrufen und Applaus im Münchner Nationaltheater, schienen alle Mitwirkenden aus purer Erschöpfung zufrieden zu sein mit dem erkämpften, teils zwiespältigen teils brillant gelungenen Ergebnis einer diffizilen Opern­novität. Unsuk Chin hat das Pub­likum der Münchner Opernfestspiele mit einer Partitur konfrontiert, die zwei Stunden lang hohe Kunstfertigkeit in postmoderner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Wolfgang Schreiber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Notizen aus der Provinz

Wie eigentlich immer bei solchen Geschichten, so war es auch dieses Mal. Seit Monaten spazierte der Rumor durch die sächsische Provinzmetropole. Alle in der Szene wussten Bescheid, längst war beschlossen, was zu tun sei. Fraglich war nur noch der Zeitpunkt der Tat. Am 19. Juni 2007 schließlich war es so weit. Die Kunde wurde ins Land hinausgetragen. Doch schon die...

Joseph und andere Brüder

Wann hat es ein neues, junges Opern­festival geschafft? Wenn sich die internationale Presse aufmacht ins noch immer etwas abgelegene Baltikum? Wenn sich im Pub­likum auch Reisegruppen von Opernfreunden finden, die es – etwa in Baden-Baden – sonst eigentlich etwas exklusiver und teurer haben? Wenn auch das einheimische Pub­likum trotz eher niedriger...

Surreale Drohkulisse

Der Ausgangspunkt war Gertrude Stein. ­Eigentlich wollte Pascal Dusapin eine Kam­mer­oper über «Doctor Faus­tus lights the Lights» schreiben. Doch dann platzte Robert Wilson mit einem Stein-Faust-Projekt in die Vorarbeiten. So blieben die Skizzen unerledigt liegen. Die Figur ließ den Komponisten allerdings nicht mehr los.
Einen Auftrag der Berliner Staatsoper in der...