Frankfurt: Böse Soap
Das Bild vom Kreator der «Reformoper» war lange musikgeschichtlich so verfestigt, dass der «andere» Gluck ganz in Vergessenheit geriet. Dass mit dem (1750 in Prag uraufgeführten) «Ezio» nun ein früheres Gluck-Stück wiederentdeckt wurde, liegt wohl ebenso an der gewachsenen Geltung der Barockoper wie an der postmodern erweiterten Bewertung des Komponisten. Und die Neugier auf diesen typisch vom Zeitstil des frühen 18. Jahrhunderts bestimmten Gluck ist nur zu berechtigt. Auch mit dem vielfach vertonten Libretto von Pietro Metastasio steht er präsentabel da.
Vier Männer und zwei Frauen werden so ausführlich (dreieinviertel Stunden) gegeneinander ins Feld geführt, bis alle erdenklichen Konstellationen und Spannungsmomente ausgeschöpft erscheinen. Dabei wird säuberlich das Tabu beachtet, dass der Herrscherfigur kein Haar gekrümmt werden darf. Zu Tode geht hier keiner – obwohl es sozusagen alle bei allen (außer, sie wären unglücklich Liebende) darauf anlegen.
Die alchemistische Kunst, funkelnd bösartige Soap Operas zu konzipieren, beherrschte man also lange vor Hollywood. Und mit seinen virtuos auf (künstlichen) Gefühlsklaviaturen spielenden höfischen Scharaden ist Metastasio wohl auch ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Hans-Klaus Jungheinrich
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Da ist schon jemand. Ein junger Mann in schwarzem Wams und weißer Pluderhose. Irre Augen, bleiches Gesicht, das rotgelbe Haar fällt in wirren Strähnen. Wie ein gehetztes Tier kauert er da, bebend vor Angst. Zur Strecke gebracht im staubgrauen Verlies, das Stefan Heinrichs auf die kleine Bühne des Lübecker Theaters gebaut hat. Während die Zuschauer noch nach ihren...
Norma, Amina, Lucia, Elvira: Frauengestalten, deren seelischer Seismograph empfindlich ausschlägt und bei Schockerfahrungen zerbricht. Deren psychotische Schübe, deren Wahnsinn sich in halsbrecherischen Koloraturen, mezza-voce-Fäden, fein gesponnenen Passagen entäußert. In Form nervös zitternder Klagegesänge aus einem Reich zwischen Traum und Wirklichkeit. Als...
