Sprache als Klang
Die Tragödie ist so gut wie vergessen. Am 1. März 1954 geriet der japanische Fischer Aikichi Kuboyama nach einem Nukleartest der amerikanischen Marine unweit des Bikini-Atolls mit 22 anderen Seeleuten in einen radioaktiven Ascheregen. Ein halbes Jahr später war er tot. Das erste Opfer der Wasserstoffbombe. Eine Sekunde hielt die Welt den Atem an, dann ging sie zur Tagesordnung des Kalten Krieges über.
Wer weiß noch, dass Günther Anders in seinen Reflexionen über die «Antiquiertheit des Menschen» im Zeitalter medialen und atomaren Overkills (1956) die Geschichte des Fischers aufgriff? Und dass Herbert Eimert, der 1972 verstorbene Gründervater des Kölner Studios für elektronische Musik, bei Anders auf jene Grabinschrift stieß, die zum Ausgangspunkt einer der bedeutendsten Arbeiten auf dem Feld elektroakustischer Komposition werden sollte? Fünf Jahre, von 1957 bis 1962, brauchte Eimert, bis er das kaum vierundzwanzig Minuten lange «Epitaph für Aikichi Kuboyama» im Kasten hatte.
Jeden Ton, jeden Sound, jedes Geräusch dieser Gedenkmusik hatte er aus dem Material des eingangs rezitierten Epitaph-Textes generiert. Keine «fremden» Zugaben (etwa Sinustöne oder weißes Rauschen) sollten das ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Albrecht Thiemann
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