Flucht nach vorn
Wohl kaum eine Figur der Operngeschichte erlebt so eine niederschmetternde Ausweglosigkeit wie Wozzeck. Wie zeigt man das auf der Bühne? Matthias Oldag, Generalintendant der Theater & Philharmonie Thüringen, und sein Bühnenbildner Thomas Gruber haben sich in Gera für eine simple, aber doch wirkungsvolle Lösung entschieden. Ein Raum, begrenzt von zwei Wänden, einer Decke und einem ansteigenden Boden, verjüngt sich nach hinten ins Nichts. Von dem Moment, in dem sich der Vorhang hebt, ist klar, dass hier eine Geschichte unausweichlich auf die Katastrophe zusteuert.
Die Decke senkt sich bis zu der niedrigen Raumhöhe, die Maries Kammer und zugleich jene Decke symbolisiert, nach der sie sich im Leben strecken kann. In der Tiefe der Hinterbühne, gleichsam in deren Fluchtpunkt wechselnde Motive – mal hängt dort eine Scheibe, die den Mond und im nächsten Moment die untergehende Sonne darstellt, mal ein blutiger Rinderkadaver, mal ziehen die Soldaten mit dem Tambourmajor an der Spitze vorbei, dann herrscht wieder nur bedrückende Schwärze. Die Figuren wirken wie eingefroren, die surrealistischen, an Salvador Dalí erinnernden Tableaux leben von der Sprache der Farbe. Es sind starke Bilder, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sollte die Musikgeschichtsschreibung ein Genie übersehen haben? Domènec Terradellas wurde 1713 in Barcelona geboren und starb 38 Jahre später in Rom. Seine dreiaktige Metastasio-Oper «Artaserse», 1744 für Venedigs Teatro San Grisostomo komponiert, lässt gleich mit ihrer Eingangsarie aufhorchen. Überrascht vernimmt man in Melodieführung, Harmoniebildung und...
Eine Komplilation mit vielen alten Bekannten. EMI hat aus den Katalogen ein paar Höhepunkte zusammengesucht, Mittelmaß ist auch dabei. Vor allem fragt man sich, nach welchen Prinzipien die Nummern aus einzelnen Opern ausgewählt wurden.
Natürlich steht Fritz Busch am Anfang. Von seinen frühen (1934/35) und späteren Aufnahmen (1950/51) gibt es repräsentative Auszüge....
In meinem Besitz befindet sich ein Papiertischtuch. Es ist fleckig und mit drei verschiedenen Handschriften bekritzelt: links jene von Rolf Borzik, dem früh verstorbenen Bühnenbildner und Lebensgefährten von Pina Bausch; in der Mitte jene der großen Tanzpoetin, rechts die des damaligen Wuppertaler Musikdramaturgen und Schreibers dieser Zeilen. Es ist ein Tischtuch...
