Übersteuert
Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt» wurde 1920 uraufgeführt, und zwar gleichzeitig in Hamburg und Köln. Ein Erfolg, von dem sich das Junggenie nie mehr erholte. Soweit, so bekannt. Mit dem Datum 1920 verbinden sich auch viele aufführungspraktische Aspekte, die weit weniger bekannt zu sein scheinen.
Wie dezent konnte das vorgesehene Mammutorchester damals begleiten? Um wie viel geringer als heute war, aufgrund anderer Spielweisen und zum Teil sogar anders gebauter Instrumente, der Lautstärkepegel? Keine Frage: Der junge Korngold hat oft überinstrumentiert; er griff rasch und gern in den Topf der Instrumentalfarben. Dennoch: Der Orchesterklang, den er schreibend im Ohr hatte, muss von dem, was wir heute gewohnt sind, durchaus verschieden gewesen sein. Sonst hätten niemals genuin lyrische, schmelzbegabte Stimmen wie Richard Tauber oder Maria Jeritza die Hauptpartien singen können.
In Nürnberg wurde man sich dieser Problematik schmerzlich bewusst. Philipp Pointner, der Erste Kapellmeister des Hauses, hatte die Phrasierung zwischen Bühne und Graben genau abgestimmt. Er atmete mit den Sängern. Trotzdem war das Volumen des Orchesters von Anfang bis Ende zu laut, was mit der Akustik ...
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