Flotter Ton, sonst Flaute
Der Anblick von Kreuzfahrtschiffen, die durch den Canale della Giudecca pflügen, gehört mittlerweile ebenso zum Image der Lagunenstadt wie das Taubenvolk vom Markusplatz oder die Rialtobrücke. Insofern ist es konsequent, wenn in der Inszenierung von Johann Strauß’ «Eine Nacht in Venedig» bei den Seefestspielen Mörbisch eines dieser vielstöckigen Monsterboote die Bühne dominiert.
Wenn Regisseur Karl Absenger die Karnevalshandlung dann aber heiter-naiv abspulen lässt, ohne die Problematik der desaströsen Tourismusstrategie wenigstens zu streifen, ist das selbst für eine massentaugliche Sommerproduktion zu kurz gegriffen. Absengers Modernisierungsversuch des 1883 uraufgeführten Stücks bleibt überhaupt in Oberflächlichkeiten stecken: Handys und Gegensprechanlagen kommen zwar ebenso vor wie zeitgenössische Fäkalausdrücke, die Personenführung aber bleibt konventionell, mit deutlichen Defiziten im szenischen Timing.
Schade, denn musikalisch hat die Produktion Klasse. Mit Herbert Lippert ist in der Erstbesetzung ein Herzog von Rudolf Schock’schem Format zu erleben. Die Buffo-Paare werden von jungen, schauspielstarken Solisten verkörpert, den Delaqua gibt Sängerlegende Heinz Zednik. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Frederik Hanssen
Darüber, ob Franziska Martienßen-Lohmann (1887–1971) die bedeutendste Gesangspädagogin des 20. Jahrhunderts war, kann man streiten. Der Superlativ hat etwas Zwanghaftes. Dass sie die einflussreichste Gesangslehrerin des Jahrhunderts war, steht dagegen außer Zweifel. Durch ihre sechs, oft in mehreren Auflagen erschienenen Bücher sowie durch zahlreiche Aufsätze,...
Kennen Sie Méhul? Vor hundert Jahren hätte sich auch im deutschsprachigen Raum jeder Opernliebhaber an die biblische Oper «Joseph» erinnert; noch 1920 richtete Richard Strauss höchstpersönlich diese Partitur aus dem Jahr 1807 für die Dresdner Staatsoper ein. Das erfolgreichste Werk des aus dem französisch-belgischen Grenzgebiet stammenden Komponisten liegt seit...
Seit seiner Gründung hat das Santa Fe Opera Festival in der Wüste New Mexicos immer wieder amerikanische Erst- und Uraufführungen auf die Bühne gebracht. Dieses Jahr stand Jennifer Higdons «Cold Mountain» – nach Charles Fraziers 1997 erschienenem Epos – auf dem Programm. Nicht das einzige Bürgerkriegsstück in dieser Spielzeit: Vor 150 Jahren ging der...
