Gut geplappert, Gioacchino!
Sicher, Pesaro geht in Sachen Rossini weiter mit Riesenschritten voran. Aber «Rossini in Wildbad», das kleine Gegenstück im Nordschwarzwald, belegt ebenso unangefochten einen ehrenvollen zweiten Platz. Und als Raritätenschürfer betätigen sich beide Festivals. «L’inganno felice» («Der glückliche Betrug»; Venedig, 1812 – der Komponist war noch keine 20) stand 2005 schon einmal auf dem Programm – jene Farce, die von der Herzogsgattin erzählt, die um ein Haar das Opfer männlich-lüsterner Gemeinheit geworden wäre.
Sie wurde durch das Melodramma «Bianca e Falliero» (Mailand, 1819) ergänzt, das hierzulande offenbar noch nie gespielt wurde: eine Romeo-und-Julia-Geschichte, die allerdings glücklich endet. Und der dem Mädchen beinahe aufgezwungene, letztlich einsichtige Ehemann ist der Clan-Chef eines der verfeindeten (hier venezianischen) Geschlechter. Verspricht Gioacchino Rossini in «L’inganno» so viel für die Zukunft wie sonst fast nirgendwo, gelangen ihm in «Bianca» eine Fülle von Gedanken auf fast durchgehend hohem Niveau.
Szenisch bleibt die Ausbeute – mal stehopernhafter («Bianca» inszeniert Primo Antonio Petris), mal etwas geschickter («L’inganno» verantwortet Intendant Jochen ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Heinz W. Koch
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