Volkstümlich
Poulencs anspruchsvolle Mono-Oper und Mascagnis Chortragödie im ländlichen Sizilien? Der rechte Boden für den «Liebeswahn» und «Trennungsschmerz», den die Protagonistinnen durchleiden, befand Emma Dante. Doch wenn derart beliebige Schlagworte die entscheidenden Impulse geben, könnte man die Paarung «La Voix humaine» und «Cavalleria rusticana» am Teatro Comunale di Bologna einfach austauschen – gegen praktisch jede andere aus jedem Jahrhundert der Operngeschichte.
Die Regisseurin aus Palermo hat gerade angekündigt, dass sie sich eine Weile aus der Oper zurückziehen werde, um kreativ nicht auszubrennen. Tatsächlich fehlt es beiden Teilen des Diptychons an Inspiration. «La Voix humaine» spielt in einer Gummizelle, wo Elle von ihren Erinnerungen heimgesucht wird. Doppelgänger geistern umher, ringsum machen sich Ärzte und Schwestern zu schaffen. Die Botschaft kann man gut mit Don Giovanni zusammenfassen: «Freunde, das Mädel ist von Sinnen!». Pastellbeleuchtung und modisch-minimalistische Kostüme tragen zur Ausdifferenzierung des inneren Dramas wenig bei.
In «Cavalleria» beherrschen drei Treppenhäuser das Bild; sie skizzieren, vielfältig zusammenschiebbar, ein italienisches Dorf. Der ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Carlo Vitali
Ein gutes Opernfoto, sagt Barbara Aumüller, ist beinahe paradox: Je weniger opernhaft es wirkt, desto besser. «Ich lege Wert darauf, dass ein Sänger auf dem Foto nicht singt – so komisch das auch klingen mag. Pathetische Sänger mit offenen Mündern will heute niemand mehr sehen. Ich will jeden Sänger als einen Mensch zeigen, der in seinem Umfeld auf der Bühne eine...
alpha
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Was wäre italienische Oper ohne die Konservatorien in Neapel? Die einst größte Stadt Italiens zog Begabungen aus allen Provinzen des Südens an. Im 18. Jahrhundert etwa Pergolesi, Porpora, Cimarosa und Spontini, im 19. Mercadante und Bellini. Inzwischen war die Ausbildung nach Pariser Vorbild perfektioniert worden. Fortgeschrittene Kompositionsschüler durften mit...
