Volkstümlich
Poulencs anspruchsvolle Mono-Oper und Mascagnis Chortragödie im ländlichen Sizilien? Der rechte Boden für den «Liebeswahn» und «Trennungsschmerz», den die Protagonistinnen durchleiden, befand Emma Dante. Doch wenn derart beliebige Schlagworte die entscheidenden Impulse geben, könnte man die Paarung «La Voix humaine» und «Cavalleria rusticana» am Teatro Comunale di Bologna einfach austauschen – gegen praktisch jede andere aus jedem Jahrhundert der Operngeschichte.
Die Regisseurin aus Palermo hat gerade angekündigt, dass sie sich eine Weile aus der Oper zurückziehen werde, um kreativ nicht auszubrennen. Tatsächlich fehlt es beiden Teilen des Diptychons an Inspiration. «La Voix humaine» spielt in einer Gummizelle, wo Elle von ihren Erinnerungen heimgesucht wird. Doppelgänger geistern umher, ringsum machen sich Ärzte und Schwestern zu schaffen. Die Botschaft kann man gut mit Don Giovanni zusammenfassen: «Freunde, das Mädel ist von Sinnen!». Pastellbeleuchtung und modisch-minimalistische Kostüme tragen zur Ausdifferenzierung des inneren Dramas wenig bei.
In «Cavalleria» beherrschen drei Treppenhäuser das Bild; sie skizzieren, vielfältig zusammenschiebbar, ein italienisches Dorf. Der ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Carlo Vitali
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Diese Ausgrabung von Nico Dostals 1936 uraufgeführter Operette zeigt vor allem eines: unter welchen Bedingungen unterhaltendes Musiktheater nach drei Jahren NS-Kulturpolitik stattfand, nachdem mit den jüdischen Künstlern auch der freche Witz und der freie Geist aus den Theatern vertrieben worden waren. Dostals Librettist Rudolf Köller mag ein belesener Mann gewesen...
