Volkstümlich
Poulencs anspruchsvolle Mono-Oper und Mascagnis Chortragödie im ländlichen Sizilien? Der rechte Boden für den «Liebeswahn» und «Trennungsschmerz», den die Protagonistinnen durchleiden, befand Emma Dante. Doch wenn derart beliebige Schlagworte die entscheidenden Impulse geben, könnte man die Paarung «La Voix humaine» und «Cavalleria rusticana» am Teatro Comunale di Bologna einfach austauschen – gegen praktisch jede andere aus jedem Jahrhundert der Operngeschichte.
Die Regisseurin aus Palermo hat gerade angekündigt, dass sie sich eine Weile aus der Oper zurückziehen werde, um kreativ nicht auszubrennen. Tatsächlich fehlt es beiden Teilen des Diptychons an Inspiration. «La Voix humaine» spielt in einer Gummizelle, wo Elle von ihren Erinnerungen heimgesucht wird. Doppelgänger geistern umher, ringsum machen sich Ärzte und Schwestern zu schaffen. Die Botschaft kann man gut mit Don Giovanni zusammenfassen: «Freunde, das Mädel ist von Sinnen!». Pastellbeleuchtung und modisch-minimalistische Kostüme tragen zur Ausdifferenzierung des inneren Dramas wenig bei.
In «Cavalleria» beherrschen drei Treppenhäuser das Bild; sie skizzieren, vielfältig zusammenschiebbar, ein italienisches Dorf. Der ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Carlo Vitali
Rolando Villazón ist ein Garant für Gesprächsstoff. Den hat er weit vor seinem Regie-Beginn den Düsseldorfern auch geliefert. Mit einem stadtweiten Aufruf, Kleider (gerne auch Lackstiefel für beide Geschlechter) und Accessoires aus den 1970ern abzugeben!
Alles beginnt in einem verstaubten Atelier, eher 19. als 20. Jahrhundert. Alte Schinken auf Staffeleien: Mona...
Dunkel soll es klingen, das Eisentor, das sich zu Beginn des vierten Aktes schließt. Verlauf und Zeitwerte dieses Sounds sind genau notiert, bis auf den letzten Akzent einer (sonst stummen) Quintole. Fortschreitend in Tontrauben zwischen dreifachem piano und forte. Dann mischt sich Gemurmel einer Menschenmenge in die rund um das Auditorium des Genter Opernhauses...
Er war ein Freund von Marcel Proust, Dandy, hochgeschätzter Sänger in den Pariser Salons, Dirigent, Musikkritiker; seine leider nie ins Deutsche übersetzte Studie «Du Chant» ist eines der glänzendsten Bücher, die je über Gesang geschrieben wurden. Als Komponist ist Reynaldo Hahn vor allem mit seinen melancholisch-eleganten, die leichte mit der ernsten Muse...
