Fantastik, Groteske, Poesie

Szokolay: Die Bluthochzeit Bremerhaven / Stadttheater

Opernwelt - Logo

Ein musikalischer Senkrechtstarter! Darüber war man sich 1964 in Budapest bei der Uraufführung von Sándor Szokolays «Bluthochzeit» («Vérnász») einig. In Ungarn wurde das Werk in der Tat alsbald zum Repertoirestück, brachte es allein in den ersten fünf Jahren auf mehr als 50 Reprisen. Aber der Höhenflug dieser ersten Oper des jungen Komponisten beschränkte sich auf dessen Heimatland. In Deutschland verschwand sie nach der deutschen Erstaufführung 1965 in Wuppertal (siehe OW 2/1966) in der Versenkung, auch in der DDR gab es – 1976 in Erfurt – nur eine einzige Produktion.



Vielleicht stand Wolfgang Fortners gleichnamige, sieben Jahre früher uraufgeführte Oper (von deren Existenz Szokolay übrigens, wie er mehrfach versicherte, nichts gewusst haben will) der Rezeption im Wege? Beide Werke basieren auf Federico García Lorcas düsterer Ehebruchs- und Blutrachetragödie «Bodas de sangre» von 1933, der tragischen Geschichte einer Braut, die sich der von ihren Eltern arrangierten Ehe widersetzt und damit ein Familiendrama auslöst. Bei Fortner wird davon in einer zwölftönigen, objektiv kühlen und auf Distanz bedachten Tonsprache erzählt. Szokolay entschied sich für eine hoch expressive ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Beschädigung als Phänomen

Der Begriff «Belcanto» scheint auf vieles anwendbar – auch Hunde hat man schon so gerufen. Ihn wörtlich als Schöngesang zu übersetzen, ist unzureichend, denn eigentlich steht er für die haute cuisine der Gesangstechnik; im Vergleich dazu schmeckt das robuste Staudruck-Stemmen wie Currywurst. Zugleich repräsentiert dieser Begriff eine Periode der Musikgeschichte, in...

Unter Wert

Allzu oft geschieht es nicht, dass eine der 15 Opern von Nikolai Rimsky-Korsakow auf einem deutschen (überhaupt einem nichtrussischen) Spielplan erscheint. Deswegen war man elektrisiert, in Saarbrücken den «Goldenen Hahn» annonciert zu sehen, das späteste Bühnenwerk des Komponisten (1907). Inspiriert von der blutig niedergeschlagenen Volkserhebung 1905, ist es...

Kein Platz für zwei Verrückte

Herr Shicoff, Sie galten als idealer Sänger für gebrochene, auch intellektuelle Charaktere. Hat Ihnen das gefallen?
Dem habe ich nie getraut. Ich wollte nie bewusst den Eindruck erwecken, ein intellektueller Sänger zu sein. Emotionale Sänger schätze ich eigentlich weit höher. Ich glaube, wann immer ich Erfolg hatte, geschah das, weil ich emotional mit meinen Rollen...