Beschädigung als Phänomen
Der Begriff «Belcanto» scheint auf vieles anwendbar – auch Hunde hat man schon so gerufen. Ihn wörtlich als Schöngesang zu übersetzen, ist unzureichend, denn eigentlich steht er für die haute cuisine der Gesangstechnik; im Vergleich dazu schmeckt das robuste Staudruck-Stemmen wie Currywurst. Zugleich repräsentiert dieser Begriff eine Periode der Musikgeschichte, in der solche Technik besonders gefordert war.
Mancher Sänger fällt gerade dort in die Fallgruben der Selbstgefälligkeit und bespiegelt sich in virtuoser Koloraturakrobatik.
Diese Gefahr wollte Diana Damrau in ihrem neuen Recital «Fiamma del Belcanto» unbedingt vermeiden. Es ging ihr nicht um «vokale Kunststückchen», erklärt das Booklet, sondern um Oper als Ausdruck einer inneren Wirklichkeit. Die Diva aus Günzburg, unterstützt durch das solide Orchester des Teatro Regio Torino unter Gianandrea Noseda, sucht die Brüche der Charaktere, die Verwerfungen der Seele auszuleuchten. Sie seziert mit Aplomb und vokaler Brillanz Frauenfiguren, die alle irgendwie beschädigt sind. Auch die nicht als typische Repräsentantinnen des Belcanto geltenden Verdi-Heroinen Luisa Miller, Amalia, Violetta sowie selbst Puccinis Mimì und ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Vanessa schaut sich einen Film an. Auf der Leinwand flimmert sie selbst in Schwarzweißbildern, gestylt wie eine Diva aus der Stummfilmzeit. Sie lebt ganz in ihren Erinnerungen an die große Liebe mit Anatol, wartet schon seit 20 Jahren auf seine Rückkehr. Als dann wahrhaftig ein Mann namens Anatol erscheint, ist es nicht der Geliebte von einst, sondern dessen Sohn,...
Impressum
56. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752278
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 13.04.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Die Marschallin ist eine schöne Libelle samt Krönchen und Zauberspiegel, Octavian ein flotter Grashüpfer, der sich per Kopfhörer mit Hip Hop volldröhnt. Der böse Zauberer namens Ochs will als Riesenkäfer die kleine Raupe Sophie vernaschen, was ihm auch fast gelingt. Die Rede ist nicht von Brigitte Fassbaenders Neuinszenierung des «Rosenkavalier», sondern von der...
