Fanal und Frohsinn

Das Trinity-Testgelände, auf dem 1945 die erste Atombombe gezündet wurde, liegt keine 60 Kilometer entfernt. Wer aus dem Crosby Theatre der Santa Fe Opera nach Nordwest blickt, schaut auf die Anfänge nuklearer Destruktion. An keinem anderen Ort liegt es näher, John Adams’ Erfolgsstück über das Mastermind der apokalyptischen Waffe, den Physiker Robert Oppenheimer, zu zeigen: «Doctor Atomic». Peter Sellars hat das Werk für das Festival in der Hauptstadt New Mexicos zum zweiten Mal auf die Bühne gebracht. Beschwingte Erholung boten Neuinszenierungen von Bernsteins «Candide» und Strauss’ «Ariadne auf Naxos»

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Die Stadt ist fast so alt wie die «Oper», das aus Europa importierte unmögliche Kunstwerk: 1607 gegründet, erklärten die Spanier Santa Fe schon 1610 zum Verwaltungszentrum der Kolonie Nuevo Mexico – zehn Jahre bevor die ersten Siedler aus England an der Ostküste, in Plymouth Rock landeten. Später, im Zeitalter der großen Trecks gen Westen, machten unzählige Pelzjäger, Goldgräber und Pioniere hier Station. Heute strömen vor allem Kulturtouristen in die Hauptstadt des Bundesstaates New Mexico.

Zumal im Sommer, wenn die Santa Fe Opera, eines der interessantesten Musiktheater Nordamerikas, ihr Festival auflegt, schießen die Besucherzahlen in die Höhe.

Unter dem nach zehn Jahren scheidenden General Director Charles MacKay wurde das Repertoire, überhaupt das Angebot des Hauses, signifikant erweitert. Insgesamt 26 Premieren hat MacKay im am Rande der Wüste gelegenen Crosby Theatre angestoßen, darunter fünf Uraufführungen und eine US-Erstaufführung. Alle anderen Stücke waren in Santa Fe zum ersten Mal zu sehen. Mit 14 verschiedenen Komponisten hat er das heimische Publikum bekannt gemacht. Zwei von ihnen, John Adams und Leonard Bernstein, standen diesmal im Rampenlicht.

Als wichtigste ...

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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Rodney Punt

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