Faible für Abgründe
Verwandlungsfähigkeit gehört zur Berufsbeschreibung, aber nur wenige Sängerinnen gebieten darüber mit ähnlich frappierender Überzeugungskraft wie Camilla Nylund. Die Vielfalt selbst ist ihr Bühnenelixier, und wohl nie zuvor war sie so sehr in ihrem Element wie im vergangenen Jahr, als es darum ging, in einem «Tannhäuser» sowohl die Venus als auch die Elisabeth zu singen. Extreme und Experimente ziehen sie magisch an. «Ich hätte einen einfacheren Weg gehen können», sagt die finnische Sopranistin in akzentfreiem Deutsch, «doch dazu war ich zu neugierig, zu ehrgeizig.
»
Großer Ehrgeiz birgt das Risiko der Überforderung, sie weiß es. «Das Risiko muss man eingehen. Andernfalls hätte ich 2004 die Leonore in Zürich nicht gewagt, an der Seite von Jonas Kaufmann und mit Nikolaus Harnoncourt. Ich lerne durch solche Herausforderungen außerdem viel über meine Stimme. Als Salome muss sich eine Sängerin sogar trauen zu tanzen. Manche Regisseure wollen einem das ersparen, aber wenn ich die Salome singe, dann tanze ich natürlich auch mit den sieben Schleiern – oder meinetwegen mit sieben Küchentüchern wie damals in Köln.»
Mit «damals in Köln» ist eine Inszenierung von 2004 gemeint, die das Drama ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Volker Tarnow
Oper oder Oratorium? Das ist hier nicht die Frage. Die Fakten sind eindeutig. Und besagen, dass «Saul», uraufgeführt am 16. Januar 1739 im King’s Theatre am Haymarket zu London, ein geistliches, typisch englisches Oratorium ist, in dem Georg Friedrich Händel, wie schon bei «Esther», «Deborah» und «Athalia», auf ingeniöse Weise Merkmale der italienischen Seria mit...
Es beginnt mit der Aufforderung zum positive thinking, «Music for a while shall all your cares beguile»: Bekümmernisse vergessen und sich der Musik an den Hals werfen. Hat der Hörer dies getan, kann er, wenn er mag, die Geschichte einer Liebe erfahren, die ersten Wallungen, das Mit- und Gegeneinander von Freude und Zweifel, schließlich das triste Auseinandergehen....
Herr Solte, wir hören immer, mit Klassik-CDs könne man heute kaum noch Geld verdienen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein eigenes Label zu gründen?
Ich bin da ja nicht der Einzige, in den letzten Jahren sind einige spannende Labels entstanden. Man macht das bestimmt nicht, um schnell reich zu werden, sondern aus Begeisterung für Musik, die man gut findet. Muss...
