Faible für Abgründe
Verwandlungsfähigkeit gehört zur Berufsbeschreibung, aber nur wenige Sängerinnen gebieten darüber mit ähnlich frappierender Überzeugungskraft wie Camilla Nylund. Die Vielfalt selbst ist ihr Bühnenelixier, und wohl nie zuvor war sie so sehr in ihrem Element wie im vergangenen Jahr, als es darum ging, in einem «Tannhäuser» sowohl die Venus als auch die Elisabeth zu singen. Extreme und Experimente ziehen sie magisch an. «Ich hätte einen einfacheren Weg gehen können», sagt die finnische Sopranistin in akzentfreiem Deutsch, «doch dazu war ich zu neugierig, zu ehrgeizig.
»
Großer Ehrgeiz birgt das Risiko der Überforderung, sie weiß es. «Das Risiko muss man eingehen. Andernfalls hätte ich 2004 die Leonore in Zürich nicht gewagt, an der Seite von Jonas Kaufmann und mit Nikolaus Harnoncourt. Ich lerne durch solche Herausforderungen außerdem viel über meine Stimme. Als Salome muss sich eine Sängerin sogar trauen zu tanzen. Manche Regisseure wollen einem das ersparen, aber wenn ich die Salome singe, dann tanze ich natürlich auch mit den sieben Schleiern – oder meinetwegen mit sieben Küchentüchern wie damals in Köln.»
Mit «damals in Köln» ist eine Inszenierung von 2004 gemeint, die das Drama ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Volker Tarnow
Seit der Uraufführung 2012 beim Festival in Aix-en-Provence ist George Benjamins «Written on Skin» um die halbe Welt gereist, meist in Katie Mitchells Originalinszenierung. Regisseur William Kerley und Ausstatter Tom Rogers zapfen jetzt frische Adern an: Opera Philadelphia hat eine packende Neuproduktion herausgebracht.
In Martin Crimps Libretto, das eine...
Hätte Nietzsche «Die Rheinnixen» gekannt, hätte er seine Meinung, Jacques Offenbach, «dieser geistreichste und übermütigste Satyr», sei «eine rechte Erlösung von den gefühlsamen und im Grunde entarteten Musikern der deutschen Romantik», womöglich relativiert. Denn es handelt sich hier durchaus um ein Werk, das als romantische Oper sui generis durchgeht, keineswegs...
Pierre Audi
Der Kapitän geht von Bord. Nach 30 Jahren an der Spitze verlässt Pierre Audi die Nationale Opera in Amsterdam, um das Festival von Aix-en-Provence sowie die Park Avenue Armory in New York zu leiten. Zum Abschied inszeniert er Stefano Landis «La morte d’Orfeo» und kuratiert letztmalig das von ihm 2016 initiierte Opera Forward Festival. Wir sind dabei
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