Faible für Abgründe
Verwandlungsfähigkeit gehört zur Berufsbeschreibung, aber nur wenige Sängerinnen gebieten darüber mit ähnlich frappierender Überzeugungskraft wie Camilla Nylund. Die Vielfalt selbst ist ihr Bühnenelixier, und wohl nie zuvor war sie so sehr in ihrem Element wie im vergangenen Jahr, als es darum ging, in einem «Tannhäuser» sowohl die Venus als auch die Elisabeth zu singen. Extreme und Experimente ziehen sie magisch an. «Ich hätte einen einfacheren Weg gehen können», sagt die finnische Sopranistin in akzentfreiem Deutsch, «doch dazu war ich zu neugierig, zu ehrgeizig.
»
Großer Ehrgeiz birgt das Risiko der Überforderung, sie weiß es. «Das Risiko muss man eingehen. Andernfalls hätte ich 2004 die Leonore in Zürich nicht gewagt, an der Seite von Jonas Kaufmann und mit Nikolaus Harnoncourt. Ich lerne durch solche Herausforderungen außerdem viel über meine Stimme. Als Salome muss sich eine Sängerin sogar trauen zu tanzen. Manche Regisseure wollen einem das ersparen, aber wenn ich die Salome singe, dann tanze ich natürlich auch mit den sieben Schleiern – oder meinetwegen mit sieben Küchentüchern wie damals in Köln.»
Mit «damals in Köln» ist eine Inszenierung von 2004 gemeint, die das Drama ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Volker Tarnow
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung, B = Bühnenbild
K = Kostüme, C = Chor, S = Solisten,
P = Premiere, UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Theater Aachen
Tel. 0241/478 42 44
theaterkasse@mail.aachen.de
www.theateraachen.de
– La traviata: 2., 8., 28.
– Don Giovanni: 6., 19.
– Poulenc, Dialogues des Carmélites: 15. (P), 21., 29.; 5., 17., 20., 26....
Herr Solte, wir hören immer, mit Klassik-CDs könne man heute kaum noch Geld verdienen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein eigenes Label zu gründen?
Ich bin da ja nicht der Einzige, in den letzten Jahren sind einige spannende Labels entstanden. Man macht das bestimmt nicht, um schnell reich zu werden, sondern aus Begeisterung für Musik, die man gut findet. Muss...
Einer der besten französischen Tenöre derzeit ist eigentlich Gastarbeiter. Der US-Amerikaner Bryan Hymel wird für Partien à la Berlioz geholt, bei denen es für die Kollegen schnell heikel wird. Und das Beste: Der 38-Jährige gibt nicht die Stratosphären-Trompete, überzeugt vielmehr mit Stilbewusstsein, idiomatischer Textbehandlung und verblüffender Leichtigkeit. So...
