Gegen den Strom
Herr Solte, wir hören immer, mit Klassik-CDs könne man heute kaum noch Geld verdienen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein eigenes Label zu gründen?
Ich bin da ja nicht der Einzige, in den letzten Jahren sind einige spannende Labels entstanden. Man macht das bestimmt nicht, um schnell reich zu werden, sondern aus Begeisterung für Musik, die man gut findet. Muss das sein? Es muss sein.
Finanzierung, Produktion, Vertrieb, Verwaltung – stemmen Sie das allein?
Nicht ganz.
Die minimalistische Gestaltung der Booklets und Verpackung zum Beispiel hat ein Grafiker entworfen, den ich seit Langem kenne. Er hat sieben Jahre in Japan gelebt und steht für eine Ästhetik des Wesentlichen.
Silberscheiben in Schachteln aus grauem Karton, alle Cover gleich und ohne Künstlerfotos – winkt der ohnehin überfüllte Markt da nicht gleich ab?
Ich wollte diese radikale Reduktion. Die Aufmerksamkeit soll auf das Eigentliche, die Musik gelenkt werden. Und: Alle Werke sollen gleichwertig behandelt werden, egal ob sie vor zwei Jahrhunderten oder vor zwei Jahren komponiert wurden.
Schon mit der ersten Veröffentlichung, einer zeitgenössischen Kammeroper – «Kopernikus» von Claude Vivier –, sind Sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Albrecht Thiemann
59. Jahrgang, Nr 4
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752310
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.der-theaterverlag.de/opernwelt
Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)
Redaktionsbüro
Andrea Kaiser...
Beim Übergang zum fünften Akt von Massenets «Manon» tönt unerwartet die melancholische Reibeisenstimme von Serge Gainsbourg durch den Saal: «Manon, bestimmt weißt du nicht, wie sehr ich hasse, was du bist.» Dazu legt Zuzana Marková als Manon ihr Ballkleid ab, mit dem sie – jung, mondän, arrogant – die Pariser Gesellschaft bezaubert hat. Über die zerrissenen...
Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war «Ernani» noch vor «Nabucco» das mit Abstand meistgespielte Werk aus Verdis Frühzeit. Heute begegnet man dem 1844 entstandenen Stück jedoch nur selten auf der Bühne. Frankfurt spielte es 2017 konzertant. In Mannheim fiel Yona Kim die schwierige Aufgabe zu, die auf den ersten Blick reichlich konventionell wirkende Oper um...
