Das Schweigen der Frauen: Helena Juntunen (Helena), Anne Sofie von Otter (Charlotte Andergast); Foto: Theater/Sakari Viika
Alptraumspiel
Kein Filmregisseur ist weltweit häufiger im Theater zu sehen als Ingmar Bergman. Riskant wird es, wenn ein cineastisches Kammerspiel wie «Höstsonaten» («Herbstsonate») die Opernbühne erobern soll: wenige Darsteller, kaum Handlung und lokales Milieu, dafür lange psychologisierende Dialoge, zudem eine unübertreffliche «Filmmusik» – Chopins Prélude a-Moll – in der zentralen Szene des Familiendramas.
Schließlich auch noch die große Ingrid Bergman! Welcher Komponist wäre so kühn oder leichtsinnig, nach dieser Vorlage zu greifen!? Und warum überhaupt? «Höstsonaten» besitzt eine immense Durchschlagskraft, eine seltene kathartische Wirkung, auch ohne Happy End. Sebastian Fagerlunds jetzt in Helsinki uraufgeführte Bergman-Adaption liefert es trotzdem nach. Und tut sich damit keinen Gefallen.
Der originale Plot ist weitgehend gewahrt: Die umjubelte Pianistin Charlotte Andergast besucht nach langjähriger Pause ihre in einem norwegischen Pfarrhaus lebende Tochter Eva. Unerwartet stößt sie dort auch auf deren schwerbehinderte Schwester Helena. Überall hausen traurige Erinnerungen; Charlottes Lebenspartner Leonardo ist vor Kurzem verstorben, Evas vierjähriger Sohn Erik kam bei einem Unglück ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor einigen Monaten beklagte Reinhard Goebel, Gründer und langjähriger Leiter des legendären Ensembles Musica Antiqua Köln, eine überbordende Entdeckerwut der Alte-Musik-Szene: Es würden viel zu viele Werke ans Tageslicht befördert, die man lieber im Staub der Archive hätte weiterschlafen lassen sollen. Die Kompositionen, die auf den hier vorzustellenden Alben zum...
Nun ist sie also wieder herausgeputzt, Berlins Lindenoper. In schönstem Pseudo-Rokoko. Zartrosa schimmert die Fassade, in drei verschiedenen Farben die Wandbespannung der Foyers um Parkett und Ränge. Von Glanz und Gloria der Kulturnation sollen sie wieder künden, die korinthischen Säulen des Portikus am historischen Hauptstadtboulevard, die mächtigen Pilaster im...
Schon beeindruckend, wie der südkoreanische Tenor Seungju Bahg den Belcanto-Schmelz in Nemorinos «Una furtiva lagrima» vor dem etwas plumpen Donizetti-Zugriff des Orchesters der Norske Opera rettete. An den jungen Pavarotti erinnert das Timbre der schlanken Stimme – ein massiger Sänger, der die Töne blühen lässt, Linien in schönem legato zieht, feinste...
