NOBLESSE OBLIGE
Wie das Idyll klingt, wenn es besungen wird? Vielleicht so: zart und irisierend in seinen stimmlichen Nuancen, anmutig und sanft in den aufgelockerten, sanft dahinfließenden Begleitfigurationen des Klaviers; als Ganzes versehen mit einem Aroma, das nach Frühling duftet, nach wolkenlosem Himmel, roten Rosen und durch Sonnenstrahlen hindurch flatternden Schmetterlingen – und natürlich nach jener unbeschwerten Liebe, wie sie der Dichter einfordert als Grundlage für ein erfülltes gemeinsames Leben; wissend, dass der Tod diesem heiteren Treiben irgendwann ein Ende setzen wird.
Victor Hugos Gedicht «Le Papillon et la Fleur» zählt gewiss zu seinen schönsten, aber auch hintergründigsten, und es verwundert kaum, dass Gabriel Fauré, als er sein erstes Lied komponierte, darauf zurückgriff. Und auch César Franck wählte um das Jahr 1860 herum für seine Romanze «Roses et Papillons» Hugos mildtönende, philosophisch getünchte Verse. Während man jedoch Faurés Opus 1 sehr wohl kennt, würden wohl die meisten Musikliebhaber mit den Schultern zucken, wiese man sie auf Francks zauberhafte Vertonung hin. Ohnedies steht der belgische Komponist, dem die Geiger eine fantastische Violinsonate verdanken und ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: CDs, DVDs, Bücher, Seite 34
von Jürgen Otten
Franz Schreker war sein eigener Librettist. So konnte er sein musikdramatisches Lebensthema noch kompakter an den Mann bringen: das Verhältnis von Traumwelt und Realwelt, das Mit- und Gegeneinander von Kunst und politischem, privat-lebensweltlichem Alltag. Seine Oper «Der Schatzgräber» entstand in den Jahren des Ersten Weltkriegs. Nach der Frankfurter Uraufführung...
Wenn die Vorderseiten und Rückwände von Fachwerkhäusern mit all ihren privaten Innen- und öffentlichen Außenansichten als gleichsam biedermeierlich verniedlichte Versatzstücke eines zitierten Spätmittelalters über die Drehbühne des Theater Kiel geschoben werden, legen Regisseurin Luise Kautz und ihr Bühnenbildner Valentin Mattka listigklug eine falsche Fährte. Denn...
Ausgelassene Begeisterung klingt anders: «Das eigentliche Schauspielpublikum kam nicht auf seine Kosten, das Opernpublikum wusste nicht viel mit dem Molière anzufangen. Der Intendant hatte an einem Abend Schauspiel- und Opernpersonal zugleich einzusetzen, und statt zwei guten Einnahmen nur eine, noch dazu nur zweifelhafte
