(Fast) alles kommt ans Licht

Lotte Thaler spricht mit Wolfgang Rihm

Opernwelt - Logo

Wie schwer es ist, über einen Komponisten zu schreiben, der selbst so sprachmächtig ist, dass man staunend nicht nur vor dem Werk, sondern auch vor den Worten ihres Schöpfers steht, das hat sich auch im Fall von Wolfgang Rihm wieder schmerzvoll bewahrheitet. Wie man ihm vielleicht näher kommt, ohne ihm zwanghaft nahe sein zu wollen – das wiederum beweist Lotte Thalers Gesprächsband mit Rihm «Alles kommt ans Licht», erschienen im kleinen Wolke Verlag. 

Der Titel dieses schmalen, feinen Bandes führt, absichtsvoll oder nicht, in die Irre.

Es kommt eben nur bedingt alles ans Licht. Rihm liebt die Paraphrase, das Uneindeutige. Nicht aber, weil er kokett wäre. Für ihn, den Komponisten, ging es stets darum, den unbedingten Willen zur Freiheit zu bewahren. Sich selbst, aber auch anderen. Seine Gesprächspartnerin, die ihn aus gemeinsam verbrachten Studienzeiten am Musikwissenschaftlichen Seminar in Freiburg trefflich kennt, versucht deswegen auch erst gar nicht, den «Kontinent Rihm» (wie eine ihm gewidmete Reihe bei den Salzburger Festspielen übertitelt wurde) zu erkunden. Thaler tastet sich behutsam vor, indem sie nach den Werkinhalten fragt, nach den Besonderheiten jedes einzelnes ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 6 2022
Rubrik: Magazin, Seite 97
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Unrettbar verloren

Die deutschen Opernhäuser arbeiten den in zwei Pandemiejahren aufgelaufenen Produktionsstau ab. Ursprünglich sollte Gaspare Spontinis «Fernand Cortez, ou la conquête du Mexique» im Mai 2020 herauskommen und zusammen mit Aubers «La muette de Portici» den Start des neuen Dortmunder «Rings» im Kontext von Wagners Vorläufern und Zeitgenossen flankieren. Während Peter...

NOBLESSE OBLIGE

Wie das Idyll klingt, wenn es besungen wird? Vielleicht so: zart und irisierend in seinen stimmlichen Nuancen, anmutig und sanft in den aufgelockerten, sanft dahinfließenden Begleitfigurationen des Klaviers; als Ganzes versehen mit einem Aroma, das nach Frühling duftet, nach wolkenlosem Himmel, roten Rosen und durch Sonnenstrahlen hindurch flatternden...

DAS BOSHAFTE KOLLEKTIV

Wenn die Vorderseiten und Rückwände von Fachwerkhäusern mit all ihren privaten Innen- und öffentlichen Außenansichten als gleichsam biedermeierlich verniedlichte Versatzstücke eines zitierten Spätmittelalters über die Drehbühne des Theater Kiel geschoben werden, legen Regisseurin Luise Kautz und ihr Bühnenbildner Valentin Mattka listigklug eine falsche Fährte. Denn...