Ewig währendes Unrecht
Er hatte mit seinen Opern ein ähnliches Glück (oder Unglück, je nach dem) wie mit seinen Symphonien: Einige werden gelegentlich gespielt, doch viel zu selten. Im Vergleich zu zwei grandiosen Orchesterwerken allerdings, «Parabel» und dem Klavierkonzert «Incantations», ist Bohuslav Martinůs zur gleichen Zeit entstandene, erst posthum, 1961 uraufgeführte Oper «Die Griechische Passion» fast ein Erfolgsstück zu nennen. Drei Gesamtaufnahmen liegen vor, wobei von Charles Mackerras’ Interpretation auch noch eine gekürzte Fassung auf DVD erhältlich ist.
Die taufrische Live-Aufzeichnung aus dem Opernhaus Graz steht den prominenteren Produktionen in nichts nach. Orchester und Chor begeistern durch Präsenz und Plastizität, die drei Hauptpartien sind mit Dshamilja Kaiser, Rolf Romei und Wilfried Zelinka extrem gut besetzt. Wie in der Erstfassung des Werkes vorgesehen, wird englisch gesungen. Das vom Komponisten verfasste Libretto beruht auf Nikos Kazantzakis’ gleichnamigem Roman (originaler Titel ungefähr: «Der erneut gekreuzigte Christus»). Verhandelt wird das Schicksal griechischer Flüchtlinge, die auf der Flucht vor Türken bei ihren Landsleuten keine Aufnahme finden; das von den ...
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Es ist gerade mal zwölf Monate her, da drohte das größte Freiluftopernfestival der Welt, seit 1913 ob seiner großartigen Bühnenspektakel gerühmt, unrettbar in den Bankrott zu schlittern. Eine angesichts ungebrochener Popularität paradoxe Situation, die auf das inkompetente Management des Veroneser Bürgermeisters Flavio Tosi und des von diesem engagierten...
In der Kunst, den rechten Augenblick zu finden, macht Mara Eggert niemand so leicht etwas vor. «Es kommt oft vor, dass ein Dramaturg sich ein Foto einer bestimmten Szene wünscht, weil dann eine wichtige Textstelle gesungen wird. Aber man kann Bilder ja nicht hören – und optisch deutet nichts auf die Besonderheit des Moments hin.» Sichtbar wird der Moment oft erst...
Ein dunkles Summen von Saiten, ein geheimes Wühlen aus dem Schlagzeug, mehr ist da anfangs nicht. Klang, der sich vorantastet. Der Chor spuckt das Wort «dust» aus, Konsonanten zischen: In einem schlichten Saal beobachten Höflinge an langen Tafeln die Auseinandersetzung zwischen Hamlet und dem frisch vermählten Königspaar. Es wird getrunken, zu essen sieht man...
