«Es ist noch viel zu tun»

Am 28. Mai feiert Dietrich Fischer-Dieskau seinen 85. Geburtstag. Im Rückblick auf sein künstlerisches Vermächtnis überwiegt das Moll – Erinnerungen zwischen Demut und Wehmut. Als Sänger und Dirigent hat er sich vor geraumer Zeit zurückgezogen, als Buchautor ist er nach wie vor aktiv.

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Herr Fischer-Dieskau, vor nicht allzu langer Zeit habe ich ein Interview mit Ihnen gelesen, das einen resignativen Grundton hatte: Sie stellten darin vieles in Frage, auch den Sinn Ihres künstlerischen Schaffens. Ich war etwas erschrocken und dachte: Hat er das wirklich gemeint, oder hat man es ihm in den Mund gelegt?
Nein, das war so gemeint, und ich stehe auch dazu. Denn ich stelle mir die Sinnfrage sehr oft.

Nicht so sehr, weil ich mich dem Ende meines Lebens nähere, sondern weil ich feststelle, wie wenig von dem übrig geblieben ist, was man der nächsten und der folgenden Generation mit auf den Weg geben wollte. Ich habe ja meine künstlerische Tätigkeit immer auch als etwas begriffen, das man weitergibt.

Aber Sie haben doch viel bewirkt – und wirken nach wie vor, schon durch Ihre Aufnahmen.
Mag sein, aber das geht schnell wieder flöten, schneller als man denkt. Schon zu Lebzeiten herrscht am Ende das Gefühl, fast vergessen zu sein. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass ich nach meinem Aufhören in der Presse viel Unsinniges und Negatives über mich gelesen habe.

Hat es nicht immer wieder Sänger gegeben, bei denen das «Weitergeben» gefruchtet hat? Christian Gerhaher zum ...

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Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Retrospektive, Seite 66
von Thomas Voigt

Vergriffen
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