Es gibt kein Entrinnen
Niemand wird bei einer «Jenufa»-Produktion ernstlich die klappernde Mühle am rauschenden Bach erwarten, obwohl sie bei den recht zahlreichen Inszenierungen der jüngsten Zeit immer mal wieder vorkam. Auch in Mannheim wird sie zitiert – aber dann gleich vervielfacht: Achtzehn kleine Mühlsteine, im Kreisrund aufgebaut wie ein Gralstempel für «Parsifal», sind die Mitgift der Küsterin an ihre Ziehtochter Jenufa. Nur ein Beispiel für detailreiche Interpretation, die Hausherrin Regula Gerber bei ihrer ersten Opernregie in ihrer dritten Spielzeit am Nationaltheater vorlegt.
Die späte Feuertaufe als Regisseurin am eigenen Haus ist gelungen: Was sich Gerber hat einfallen lassen, ist weit entfernt vom
Effektzauber eines Calixto Bieito in Stuttgart – hat aber in seiner Konzentration Hand und Fuß.
Ihre Mühle könnte ein Atombunker sein oder irgendeine Fabrik, vom Zimmer der Küsterin ist auch nur ein Raumfragment übrig, bevor sich der Schlussakt zur beschriebenen Gralsweite öffnet. Darin sind die Figuren so scharf gezeichnet wie Lacas Messer, das Jenufas Wange zerschneidet. Dieser Laca ist bei Uwe Eikötter in besten Händen: Vokal unangefochten vermittelt er eindringlich das Schicksal des immer zu ...
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