Abschiedsstück
Paolo Carignanis letzte Premiere nach neun Jahren als GMD der Frankfurter Oper stand unter keinem guten Stern. Vor der «Fidelio»-Premiere hatte sich der Dirigent nicht nur von der ihm angeblich aufgezwungenen Produktion distanziert – offenbar wäre ihm eine Verdi-Oper zum Abschied lieber gewesen. Obendrein stellte er mit drastischen Worten öffentlich klar, dass das Verhältnis zu Intendant Bernd Loebe zerrüttet sei. Hinzu kam, dass die für «Fidelio» vorgesehene Regisseurin Christina Paulhofer aus Krankheitsgründen ihre erste Opernarbeit noch vor Probenbeginn abgeben musste.
So geschah es, dass der Bühnenbildner Alex Harb mit der szenischen Realisierung des Konzeptes betraut wurde – eine Aufgabe, die ihn schlicht überforderte.
Dagegen besitzt Harbs karger, gelb leuchtender, auch zur Decke hin geschlossener Raum durchaus Entschiedenheit. Zwei Stühle, eine Metallbank in der Mitte – das ist alles. Auf der Bank kauert ein Mann mit Kapuze und Kopfhörern, in sich verkapselt brütet er vor sich hin: Es ist Florestan. Den ganzen Abend über ändert sich dieser Klaustrophie erzeugende Raum kaum, nur die Intensität des Lichts variiert. Harb freilich scheitert an der Aufgabe, das Gefangensein jedes ...
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München leuchtete, wie Thomas Mann mit süffisanter Euphorie notierte, oder zumindest: die Münchner Opernwelt, die seit jeher den Glanz liebt und den historischen Reichtum bewirtschaftet. Zwei stattliche Premieren der Bayerischen Staatsoper setzten im Zehn-Tage-Abstand charakteristische Akzente. Wobei insbesondere die Eröffnung der Münchner Opernfestspiele – der...
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«Schlag nach bei Shakespeare», trällern die beiden Ganoven in Cole Porters Broadway-Genie-Streich von 1948. Das Ziel, von der renitenten Schauspielerin Lilli Vanessi alias Katharina die Spielschulden ihres (natürlich immer noch geliebten) Verflossenen Fred Graham alias Petruchio einzutreiben, haben sie zwar nicht erreicht. Und auch der in flotter...
