Zerklüftete Welten
Während die «Poèmes pour Mi» von 1936, die Olivier Messiaen seiner ersten Ehefrau Claire Delbos widmete, in den Konzertsälen immer wieder auftauchen, hört man den zwei Jahre später vollendeten Liederzyklus «Chants de terre et de ciel» doch eher selten, obwohl dieser nicht nur inhaltlich, sondern auch in seinem Klangbild erkennbar an die «Poèmes» anknüpft. Allerdings erweiterte Messiaen den Dialog der glücklich Liebenden mit Gott um ein Kind – seinen 1937 geborenen Sohn Pascal.
Ein in erster Linie «religiöses, katholisches Werk» schwebte ihm vor, eine Art tönende (und in seinem Fall von Erfolg gekrönte) Gottessuche.
Diese führt die Gesangssolistin in höchste, gleichsam himmlische Höhen, wo jedoch die Luft bekannter -maßen ziemlich dünn ist – vielleicht auch ein Grund dafür, dass viele Sopranistinnen um die «Chants» einen weiten Bogen schlagen. Monika Abel wagt es nun mit einigem Gewinn. Ihre schlank-silbrige, filigrane Stimme eignet sich ausgezeichnet für derartige Drahtseilakte, was sich schon im ersten Lied «Bail avec Mi (pour ma femme)» andeutet: Ein zarter Glanz liegt auf den apart ausgehörten vokalen Eiskristallen, und er liegt ebenso auf den transparenten Tönen des Klaviers. ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 41
von Jürgen Otten
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