Es darf gelacht werden
In Gera hat ein neuer, dem dortigen Publikum als Regisseur aber nicht unbekannter Intendant kurzfristig – also ohne jeden Planungsvorlauf – die Leitung des in Finanznöten steckenden Theaters übernommen. An der Komischen Oper Berlin gestaltet ein erfolgreicher, aber dennoch um Zuschauer kämpfender Intendant seine letzte Spielzeit, bevor er an eine größere Bühne wechselt. In der thüringischen Provinz wie in der Metropole besinnt man sich auf die Volksoper schlechthin: «Carmen». Klar: Die Kassen sind knapp.
In beiden Fällen wird das Stück nicht als archaische Schicksalstragödie, sondern als Opéra comique aufgefasst, und zwar im Wortsinne: Es darf gelacht werden, und es wird gelacht. Schließlich stammt das Libretto von Meilhac & Halévy, den Hausautoren Jacques Offenbachs. Kurzweilig und streckenweise originell sind beide Produktionen; während man in Gera versucht, die mit dem Stück verbundenen Klischees zu vermeiden oder zu unterwandern, werden sie in Berlin zum Seitenthema der Inszenierung. Hier enden die Gemeinsamkeiten. Denn aus ähnlichen Prämissen ziehen Sebastian Baumgarten in Berlin und Kay Kuntze in Gera unterschiedliche Schlüsse. Das erstaunt nicht, wenn man weiß, dass ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Ekkehard Pluta
Herr Kwiecien, niemand hat Don Giovanni in den letzten Jahren an so vielen Opernhäusern gesungen wie Sie. Wissen Sie, wie oft?
Annähernd hundertmal, in rund zwanzig verschiedenen Produktionen. Will sagen: Der Don Giovanni ist nichts Neues mehr für mich.
Das klingt nach Routine.
Nun ja, wenn ich diese Partie in Paris, Bilbao oder München singe, mache ich zunächst mal...
Der Anlass war ein rauschendes Fest. Zum letzten Mal sollte Alessandro Scarlatti die Feder für ein dramatisches Werk führen. Uraufgeführt wurde seine «Erminia», eine Serenata für vier Stimmen, am 20. Juni 1723 in Neapel. Und zwar im Rahmen der Hochzeits-feierlichkeiten für Ferdinando Colonna, Prinz von Stigliano, und seine Angetraute Maria Luisa Caracciolo di...
Logischer, behutsamer lässt sich eine Karriere nicht entwickeln. Sozialisiert wurde er als lyrischer (Oratorien-)Bariton, sein Material ließ er dann reifen mit härterer Opernkost, schließlich folgte der Sprung nach Bayreuth (Beckmesser) und mit Strauss’ Barak auch ins Heldenfach: Grenzübertritte waren das nie, was Michael Volle unternommen hat. Und so liefert auch...
