Erkannte Wahrheit
Im Gegensatz zu «Pelléas et Mélisande», dessen Libretto eine von Debussy gekürzte Version von Maeterlincks Schauspiel darstellt, hat Maeterlinck «Ariane et Barbe-Bleue» als «Conte en trois actes» von vornherein als Opernlibretto konzipiert (und an Grieg als Komponisten gedacht). Beide Stücke ähneln einander mit ihrem Parlando der Singstimmen, das aus Rhythmus und Intonation der französischen Sprache abgeleitet ist, doch es bedarf keiner DNA-Analyse, um die grundsätzliche Verschiedenheit beider Charaktere feststzustellen.
Anders als Mélisande ist Ariane eine ausgesprochen aktive Lichtgestalt, eine Aufklärerin, deren Motto geradezu von Brecht stammen könnte: «Zuerst muss man ungehorsam sein. Das ist die erste Pflicht, wenn der Befehl bedrohlich und unerklärbar ist.» Sie bereits als Vorkämpferin des Feminismus zu reklamieren, schießt trotzdem über ihr Ziel, die gefangen gehaltenen Frauen Blaubarts zu befreien, hinaus. Sie scheitert denn auch an ihrer Mission – wie schon im Untertitel «La Délivrance inutile» (Die vergebliche Befreiung) angekündigt. Denn, so Dukas: «Kein Mensch will befreit werden. Freiheit muss teuer erkauft werden… Besser ist es, sich selbst zu befreien.»
Einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt hat durch ihren Darstellungsstil nicht nur die literarische Produktion ihrer Zeit wesentlich inspiriert, sondern auch auf die italienische Oper einen großen Einfluss gehabt. Tosca, Fedora, Adriana Lecouvreur gehörten zu ihren erfolgreichsten Rollen. Ihr melodischer Sprechgesang machte deutlich, dass diese Stücke...
Bevor sich der Vorhang der Deutschen Oper Berlin an diesem Januar-Abend hob, dürfte sich die Neugier vieler Besucher darauf beschränkt haben, Deborah Voigt in ihrem Rollendebüt als Marschallin zu sehen. Hieß es doch, die bis vor kurzem bedenklich übergewichtige Diva sei nicht mehr wiederzuerkennen, seit sie ihren Magen auf die Größe einer Walnuss habe verkleinern...
Von Mozarts «großen» Opern ist «Idomeneo» sicherlich die am schwersten zu realisierende. Eine dem Theater Augsburg vergleichbare Bühne, das Münchner Gärtnerplatztheater, setzte vor Jahresfrist mit großem Erfolg auf japanische Abstraktion in Bühnenbild, Kostümen und Gestik (Claudia Doderer). In Augsburg nun wollte Thomas Mittmann – der bereits hervorragende...
